Ebenso "unterhaltsam" wie "chaotisch" findet Rezensent Ulrich Enzensberger diese von Markus Mohr und Klaus Viehmann herausgegebene Kulturgeschichte des Spitzels, die vierzig Beiträge von zwanzig Autoren über Denunzianten, Verräter, V-Männer, Saboteure und Blockwarte versammelt. Enzensberger charakterisiert den Band als ein "Sammelsurium", dem schlicht eine ordnende Struktur, ein Sinn für Zusammenhänge fehle. Die einzelnen Beiträge - etwa über den "Urspitzel Judas" oder über die Fälle Peter Urbach, Ulrich Schmücker und Manfred Schlickenrieder - hält er zwar für hochinteressant. Doch wachsen den Herausgebern seiner Ansicht nach die Einzelfälle über den Kopf und verdecken die historischen Hintergründe. Gleichwohl hält er dem "Sammelsurium" zugute, vorurteilslos zu sein. Zudem trügen Aufsätze über IMs in der DDR, über V-Leute in der NPD dazu bei, dass das Buch nicht zur vergilbten Steckbriefkollektion gerate. "Die aktuellen Beispiele wirken durch ihre reine Lebensfrische", lobt Enzensberger. Insgesamt aber fehle der Mut zur Zusammenfassung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 05.08.2004
Eine "bewusst parteiische Auseinandersetzung" mit staatlicher Überwachung liefern die Herausgeber Markus Mohr und Klaus Viehmann mit ihrem Buch, schreibt Rezensent Gottfried Oy. Von Spitzeln aller Epochen, angefangen bei Judas, dem "Urspitzel" über die Nachrichtendienstler der KPD bis hin zur Studentenbewegung haben Mohr und Viehmann "wahnwitzige Geschichten" der Unterwanderung zu erzählen. Lobend erwähnt der Rezensent den bewussten "Spagat" zwischen kulturwissenschaftlicher Analyse und politischer Bewertung des Themas. Einen "roten Faden" suche der Leser jedoch bei der "Bandbreite der Beiträge" vergeblich. Die Herausgeber haben vielmehr ein Buch ohne "Anspruch auf Vollständigkeit" geschrieben, ein "Lesebuch", in dem sich aber zahlreiche "lehrreiche und haarsträubende" Geschichten zum Spitzel-Mythos finden.
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