Alois Brandstetter

Die Zärtlichkeit des Eisenkeils

Roman
Cover: Die Zärtlichkeit des Eisenkeils
Residenz Verlag, Salzburg 2000
ISBN 9783701711789
Gebunden, 157 Seiten, 18,87 EUR

Klappentext

Er galt in der Antike als Liebling der Götter: der Eisenvogel. In Oberösterreich, Brandstetters Heimat, nennt man ihn nicht ohne Ironie "Eisenkeil". Lange glaubte man ihn verschollen, wenn nicht gar ausgestorben, doch 1998, in dem Jahr, als Alois Brandstetter sechzig Jahre wurde und zugleich Ehrenbürger seiner Heimatgemeinde Pichl, tauchte der Vogel seiner Kindheit dort plötzlich wieder auf. Ein willkommener Anlass, um ihm nach allen Regeln der poetischen Zoologie nachzuspüren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2000

Sabine Doering stellt zunächst einmal klar, dass es sich bei diesem Buch nicht wirklich um einen Roman handelt, sondern vielmehr einerseits um eine Art Tagebuchaufzeichnungen des Autors und andererseits um Ausführungen über den Eisvogel, der in der - oberösterreichischen - Mundart des Autors auch Eisenkeil genannt wird. Hierbei führe Brandstetter seine "Gelehrsamkeit" vor, indem er nicht nur "antike und mittelalterliche Gelehrte" zu Wort kommen lässt, sondern auch über die mangelhafte Kommunikation zwischen Tier und Mensch philosophiert. Was den tagebuchähnlichen Teil des Buchs betrifft, stört sich die Rezensentin doch sehr an der unverhohlenen Nabenschau des Autors, der nach ihren Worten nicht müde wird, sein eigenes Werk zu loben und auch die Anerkennung von Kollegen mit "buchhalterischer Genauigkeit registriert". "Peinlich" findet die Rezensentin dies, die darüber hinaus über Brandstetters flapsige Bemerkungen zum Freitod des Sexualwissenschaftlers Ernest Bornemann die Frage des guten Geschmacks stellt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.06.2000

Mit mancherlei Insider-Wissen angereichert hat Martin Krumbholz seine Besprechung. Peter Handke und Thomas Bernhard tauchen auf, die in irgendwelchen Bezügen zu Brandstätter stehen (als Autoren-Kollegen des Residenz Verlags?), und letzterer wird flugs als Folie benutzt, um aufzuzeigen, wer Brandstätter nicht ist, weil er viel zu wenig "anstößig" und "frech" ist. Warum das wichtig ist beim Lesen der hier vorliegenden "Marginalien" zum Thema Mensch, Tier und Monogamie? Weil Krumbholz dieser "Mischung aus Essay und autobiografischer Erzählung" zu Sexualität und Moral abgelauscht zu haben meint, dass der Autor gern auch als frecher und anstößiger - bedeutender? - gelten würde, als er nun einmal ist. Krumbholz beruhigt ihn: es muss auch solche geben wie ihn, die auf gescheite Weise amüsant und klug kommentierende Bücher schreiben. Macht der Rezensent sich hier zum Reisswolf im Schafspelz?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.05.2000

Was das Auftauchen eines verloren geglaubten Eisvogel (auf österreichisch Eisenkeil) alles bewirken kann! Ein Altgermanistik-Professor wie Brandstetter schreibt plötzlich ein Buch über die "Geschichten, die sich um diesen Vogel ranken", und schafft damit, so der Rezensent Günther Stocker, wieder mal Anlass für allerlei "gelehrte und autobiographische Abschweifungen". Der neuen Prosa von Alois Brandstätter wird "eine erstaunliche" Trivialität und fehlende "gedankliche Schärfe" bescheinigt. Klassischer Bildungsballast, verstaubtes Gedankengut, dafür aber genügend "Altherren"- Reflexionen und "Selbstlob" über das eigne Werk - das Urteil Stockers fällt eindeutig aus.

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