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Klappentext
Aus dem Portugiesischen von Ines Koebel und Georg Rudolf Lind. Fernando Pessoa (1888-1935) schuf Gedichte und poetische Prosatexte verschiedenster, ja widersprüchlichster Art. Um die Vielfalt seines Fühlens in eine große eigene Welt zu überführen, erfand er sich personifizierte Verkörperungen seines Denkens und Dichtens: seine Heteronyme (Personenschöpfungen mit eigenständiger Persönlichkeit und einer ausgewiesenen Biografie). So gab er seinem vielfältig gespaltenen Ich die Namen Alberto Caeiro, Ricardo Reis, Alvaro de Campos u.a. Auch unter seinem eigenen Namen, der im Portugiesischen soviel besagt wie "Person, Maske, Fiktion, Niemand", trat er als Verfasser in Erscheinung. Die Werke der Heteronyme, zusammen mit denjenigen ihres Schöpfers, machen den einmaligen Kosmos dieses großen Portugiesen aus.
Alberto Caeiro (1889-1915) ist ein solches Heteronym. Pessoa nennt ihn seinen Meister. Dieser Caeiro schuf sein Werk während seines kurzen Lebens in völliger Abgeschiedenheit auf dem Lande im Ribatejo, wohin er sich wegen einer Tuberkuloseerkrankung, an der er auch sterben sollte, zurückgezogen hatte. Nahezu ungebildet, schuf er Dichtungen, die seine Empfindungen bei der Betrachtung der Natur ausdrücken, ohne dass er das Geheimnis dahinter suchen möchte.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.08.2004
Lang und breit erklärt Martin Lüdke, was es mit den verschiedenen Heteronymen des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa alias Alberto Caeiro alias Ricardo Reis alias Alvaro de Campos auf sich hat. Ein Heteronym ist mehr als ein Pseudonym, erfährt der Leser, dahinter verbirgt sich nicht nur ein anderer Name, sondern eine andere Dichterpersönlichkeit. Damit habe Pessoa seinen Kollegen Rimbaud mit dessen Bemerkung "Ich ist ein anderer" mühelos übertrumpft, stellt Lüdke mit Befriedigung fest. Und jedes weitere Dichter-Ich besitzt nicht nur eine eigene Lebensgeschichte, sondern auch ein eigenständiges Werk, erläutert Lüdke weiter. Caeiro steht für ein schmales Werk, einen Gedichtzyklus von 49 meist recht kurzen Gedichten, zu denen wiederum ein gewisser Ricardo Reis das Vorwort und ein gewisser Alvaro de Campos Interpretationshilfe geleistet haben - kleiner Scherz von Fernando Pessoa, was im Portugiesischen soviel wie Person, Maske oder Niemand bedeutet, so Lüdke. Auffällig an diesen Gedichten sei eine "Ding-Metaphysik", bemerkt der Rezensent, die in der Moderne Schule machen sollte. Francis Ponge griff diese Technik auf, und selbst in Handke-Gedichten lassen sich davon noch Spuren finden, staunt Lüdke. Denn Pessoa insistiere nicht nur auf der sinnlichen Anwesenheit der Dinge wie zum Beispiel von Wolken und Wind (die dann keinen Symbolwert mehr hätten), sondern stelle zugleich die Subjektivität in Frage und nehme damit ein zentrales Motiv der Moderne vorweg, schreibt Lüdke.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.07.2004
Albert Caiero heißt eins der Pseudonyme beziehungsweise Heteronyme, unter denen der portugiesische Dichter Fernando Pessoa schrieb. Pessoa führte mehrere Dichternamen und verschiedene Dichterexistenzen, und so kommt es, erklärt Rezensent Hans-Martin Gauger die komplizierte Angelegenheit, dass das eine Heteronym namens Ricardo Reis ein Vorwort zu den Gedichten des anderen Heteronyms Alberto Caeiro schrieb und sich dabei auf eine dritte Person namens Alvaro de Campos bezog, und hinter allen drei Namen versteckte sich ein Mann: Fernando Pessoa. Alberto Caiero, dessen Gedichte in einer zweisprachigen Ausgabe vorgestellt werden, war die volkstümlichere Ausgabe der Pessoaschen Dichterexistenzen. Mit Gauger ausgedrückt: die Gedichte sind von einer "artifiziellen Einfachheit", welche die Dinge so nimmt, wie sie sind oder zu sein scheinen. Dabei haben alle Gedichte ein "herrliches Fließen", schwärmt der Rezensent, und es fließt auch in der Übersetzung sehr schön, lobt er weiter, aber im portugiesischen Original fließe es eben noch schöner. Um so begrüßenswerter, findet er, dass Original und Übersetzung in dieser zweisprachigen Ausgabe nebeneinander stehen.
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