Die Peterskirche in Rom ist nicht nur die bedeutendste Kirche der Christenheit. Sie birgt auch eine Reihe päpstlicher Grabmonumente, an denen die berühmtesten Bildhauer Italiens in Renaissance und Barock mitwirkten, von Antonio Pollaiuolo über Michelangelo bis hin zu Bernini. Die Grabstätten der Päpste sind als Kunstwerke unübertroffen. Doch ebenso faszinierend ist ihre Entstehungsgeschichte im Spannungsfeld von Herrscherambitionen und Amtsverständnis, Familieninteressen und Künstlerehrgeiz. Die Beiträge des vorliegenden Bandes arbeiten die machtpolitische Bedeutung der Monumente heraus und zeigen anschaulich, wie eine hochentwickelte Grabmalskultur der Selbstdarstellung der römischen Eliten diente. So gewinnt der Leser zugleich Einblick in das Verhältnis von Kunst und Gesellschaft im Rom der frühen Neuzeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 06.07.2004
Als "höchst anregend" würdigt Olaf Rader die Beiträge dieses Bands, der erste Ergebnisse des von der Fritz-Thyssen-Stiftung geförderten und mit der Erforschung von römischen Papst- und Kardinalgräbern betraute Projekt "Requiem" vorstellt. Wie der Rezensent berichtet, suchen die Autoren darin die Formensprache der päpstlichen Grabstätten in Renaissance und Barock zu entschlüsseln sowie deren Entstehungsbedingungen zu klären. Rader verweist auf die besondere politische und gesellschaftliche Bedeutung der Grabmalskunst in Rom, die der vor allem der Selbstdarstellung der herrschenden Elite diente: "Die Papstgräber waren letztendlich Legitimationsstrategien von Herrschaft." Beschrieben werde auch, wie sich Päpste oft mit Kunst aus den Krisen ihrer Zeit retteten oder in regelrechten Bilderkriegen ihre politischen Programme artikulierten. Die vorgelegten Ergebnisse, resümiert der Rezensenten, eröffneten unterschiedliche Perspektiven auf scheinbar einfache Fragen und "geben höchst unterhaltend Antworten auf die Zusammenhänge von Tod, Macht und Kunst".
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