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Herbert Marcuse
Herbert Marcuse: Nachgelassene Schriften
Band 4: Die Studentenbewegung und ihre Folgen
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Thomas Laugstien. Mit einer Einleitung von Wolfgang Kraushaar. Herbert Marcuse hatte sich schon früh in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und gegen den US-Krieg in Vietnam engagiert. Folgerichtig erkannte die "junge Protestbewegung" in dem "alten" kritischen Theoretiker daher ihren Kopf. Die Nachlasstexte, die in "Die Studentenbewegung und ihre Folgen" erstmals auf deutsch veröffentlicht werden, zeigen, wie eng der Kontakt Marcuses zu den revoltierenden Studenten in den USA und Europa war. Die Themen des Bandes reichen von der Cuba-Krise über den Vietnam-Krieg und den Höhepunkt der Revolte bis hin zur Reflexion auf die Fehler der Studentenbewegung und die Möglichkeiten von Protest in einer unsolidarischen Gesellschaft. Kaum bekannt war bisher, dass Marcuse sich zum Israel-Palästina-Konflikt mehrmals geäußert hat. Die Texte zu diesem brisanten Thema sind in diesem Band ebenso erstmals versammelt wie die zahlreichen Stellungnahmen zu Angela Davis und der Briefwechsel mit Rudi Dutschke.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.08.2004
Gottfried Oy hat den vierten Band der nachgelassenen Schriften Herbert Marcuses mit besonderem Augenmerk auf die Aktualität der Texte gelesen. Er stellt in seiner eingehenden Besprechung des Bandes fest, dass es ein Vierteljahrhundert nach dem Tod des "Mitbegründers der Neuen Linken" ziemlich ruhig um Marcuse geworden ist. Wenn der Rezensent auch einräumt, dass sich Marcuses Erwartungen von "revolutionären Umwälzungen", die er während der Studentenrevolte prognostiziert hat, heute ziemlich "antiquiert" ausnehmen, findet er seine "Analyse der Umbrüche in den Produktionsverhältnissen" immer noch außerordentlich treffend. Die ebenfalls in dem Buch enthaltenen Texte zur Kubakrise und zum Vietnamkrieg bringen nach Ansicht Oys nichts wirklich Neues zu Tage, Marcuses kaum bekannte Aufsätze zur Situation in Israel dagegen lobt der Rezensent als "überraschend konkret". Des weiteren erwähnt er noch ein Kapitel über Angela Davis und Rudi Dutschke, die eng mit Marcuse befreundet waren. Abschließend betont Oy, dass der Band einmal mehr deutlich macht, dass es auch in der "Theoriedebatte" zu Unrecht "still" um Marcuse geworden ist, wie nicht zuletzt dessen "hochaktuelle Analyse zur Intellektualisierung und Immaterialität der Arbeit" demonstriere. Nach Meinung des Rezensenten wäre es schließlich ein Gewinn für die heute politische Ämter bekleidenden Alt-68er, sich die "Stoßrichtung" von Marcuses "Kritik am Wohlfahrtsstaat" ins Gedächtnis zu rufen, wenn es um die Reformierung des Sozialstaats heute geht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.07.2004
"Es ist Zeit, diesen Marcuse zu entdecken", fordert Rezensent Tim B. Müller. Bei "diesem" Marcuse handelt es sich um den politischen Denker, dessen Texte zur Studentenbewegung nun von Peter-Erwin Jansen veröffentlicht wurden. Wenngleich der Philosoph und Schüler Heideggers darin mitunter die Gestalt eines "Guru" annimmt, so sind besonders seine Beobachtungen und Analysen zum Holocaust "erschütternd". Als "Zeitzeuge, der im Strudel der Ereignisse fortgerissen" wird, untersucht Marcuse, selbst Jude, den Völkermord so, dass auch die heutige Forschung noch auf seiner "grundsätzlichen Problemanalyse" aufbaut. Deutlich werde in dem Buch, dass sich der Autor nicht mit "intellektuellen Konzepten" und politischen Überzeugungen angesichts des systematischen Tötens beschränkte: Marcuse stellte sich dem Geschehen direkt, "ohne den tröstlichen Schutz" rationaler Erklärungen, und damit bleibt er bis heute lesenswert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2004
Rezensent Lorenz Jäger berichtet zunächst, dass in diesen vierten Band mit nachgelassenen Schriften von Herbert Marcuse - der die "Altersblüte des Revolutionsphilosophen im Kreis der jüngeren Militanten" zeige - neben Reden und Schriften auch Briefe an seine Schülerin Angela Davis sowie der Briefwechsel mit Rudi Dutschke aufgenommen wurden, und lobt, dass auch dieser Band wieder von Peter-Erwin Jansen ansprechend ediert worden sei. Vor allem aber meint Jäger beim Lesen einer ebenfalls aufgenommenen Schrift aus der Jugend Marcuses, "Gedanken über Judentum und Israel" das Motiv entdeckt zu haben, das Marcuses intellektuelle Entwicklung erkläre und all seine Werke verbinde: "Bürgerliche Assimilation - das war, wie für so viele seiner Generationsgefährten, das Schicksal, gegen das Herbert Marcuse hatte aufbegehren wollen." Daraus erschließt sich für Jäger dann die Parteinahme Marcuses, nach dem zweiten Weltkrieg, für die Sowjetunion ebenso wie seine spätere Abwendung von ihr, als er meinte, eine "Assimilierung", wie Marcuse selbst es nannte, der sowjetischen und der amerikanischen Gesellschaft wahrzunehmen.
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