3:2 hieß das nationale Identität stiftende Ergebnis, mit dem Deutschland am 4. Juli 1954 in Bern die FußballWeltmeisterschaft gewann. Besiegt waren nicht nur die als unschlagbar geltenden Ungarn, sondern auch die diffusen Selbstzweifel, die das Volk neun Jahre nach der als Schmach empfundenen Kapitulation noch immer plagten. Mehr als alles andere hat dieser Sieg nach dem verlorenen Krieg die Bundesrepublik im Bewusstsein ihrer Bürger als Nation etabliert. Die Helden von Bern haben mit ihrem Kapitän Fritz Walter und ihrem Trainer Sepp Herberger Geschichte, und nicht nur Fußballgeschichte, geschrieben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 26.06.2004
Natürlich könne man verstehen, dass sich ein Autor angesichts des Weihrauchs, mit dem die "Helden von Bern" in aller Regel umnebelt werden, um eine aufklärerische, nüchterne Perspektive bemüht - allerdings tue Jürgen Bertram in seinem gleichnamigen Buch des Guten zuviel, findet Eckhard Jesse. Des Verfassers Schilderung "des kameradschaftlichen 'Geistes von Spiez'" sei "sarkastisch, nicht um Einfühlungsvermögen bemüht". Bertram bewerte "den Sieg ebenso wie die Folgen zu hoch". Überaus, ja zu subjektiv zeichne der Autor, damals 14 Jahre alt, das Klima der Bundesrepublik 1954 nach: "Repression ist das pädagogische Allheilmittel der ersten Adenauer-Jahre und Mief der Stoff, den man einatmet." Das Wunder von Bern sei in Bertrams Augen ein "Befreiungsschlag" gewesen, auf den eine geknebelte Nation gewartet habe; dadurch erkläre sich auch das "Singen des Deutschlandliedes durch Schlachtenbummler" - ein "Zeichen von eruptivem Nationalismus". In 28 Kapiteln forscht Bertram den am Wunder Beteiligten nach - auch ihren späteren Niederlagen und einer Gelbsuchtepidemie, die "durch verunreinigte Spritzen" ausgelöst wurde.
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