Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Aus dem Englischen von Henning Ahrens. Nollop ist eine kleine Insel, die den Namen ihres berühmtesten Sohnes trägt: Nevin Nollop, Schöpfer eines berühmten Pangramms, das den Inselbewohnern heilig ist. Nach Nollops Tod errichten die Nollopier ihrem Helden ein Denkmal, dessen Sockel der legendäre Satz auf Kachelfries ziert. Bis eines Tages das "Z" herunterfällt. Der Hohe Rat der Gemeinde sieht darin ein Zeichen Nollops aus dem Jenseits und stellt die weitere Verwendung des gefallenen Buchstabens unter Todesstrafe. Noch bevor sich die Inselbewohner vom ersten Schock erholt haben, lösen sich weitere Buchstaben, deren Verwendung ebenfalls strengstens verboten wird. Die kleine Gemeinde sieht sich auf diese Weise zusehends ihrer Sprache beraubt und taumelt ins Verderben ...
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.08.2004
Rezensent Tobias Döring ist begeistert von dieser Parabel des Absurden. Mit seiner "Sprachzertrümmerungsgeschichte" sei Autor Mark Dunn das Kunststück gelungen, eine scheinbar unglaubwürdige Geschichte "nicht nur vergnüglich zu erzählen, sondern buchstäblich so vorzuführen, dass man als Leser ihre absonderliche Wirkung miterleben" könne. Es geht Dörings Informationen zufolge um das Vermächtnis des Gründervaters einer Inselgesellschaft: dieses Vermächtnis besteht in einer merkwürdigen Handhabung des Alphabets, die sich im Verlauf der Geschichte zum Terror entwickelt. Der Gebrauch von immer mehr Buchstaben wird bei Strafe verboten, Bücher werden eingezogen und Briefe abgefangen. Die Geschichte werde in Briefen der Betroffenen dargeboten, "immer strikt auf dem jeweiligen Reformstand" abgefasst, so dass die damit verbundene sprachliche Verarmung für den Rezensenten direkt erfahrbar wurde. Doch zum Glück gibt es Helden, die sich dem Reformwahn entgegensetzen, atmet der Rezensent schließlich auf, um süffisant hinzuzufügen, dass der Roman in der reformierten deutschen Rechtschreibung erscheine. Eine Extrahymne widmet der Rezensent dem Übersetzer Henning Ahrens, dessen artistische Findigkeit in der "buchstäblichen Neuerfindung" des Textes Döring schlichtweg virtuos findet.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.07.2004
Rezensent Christoph Schröder empfiehlt dem Leser, sich diesem Buch - um daran wenigstens ein bisschen Spaß zu haben - nicht als Roman zu nähern, sondern darin ein Spiel mit der Sprache zu sehen. Dieser "Zugang setzt das Einverständnis mit dem Umstand voraus, dass Literatur auch reine Sprache sein kann, eigensinnig und weit abseits von erzählerischem Realismus." Handlungsort ist eine Inseldiktatur, wo den Bewohnern unter Strafandrohung verboten ist, bestimmte Buchstaben des Alphabetes zu benutzen. Schröder ist eigentlich ganz angetan von der Idee, "die irrationale Ausprägung eines diktatorischen Systems in der Sprache zu verankern", doch seiner Meinung nach macht Autor Marc Dunn nichts aus diesem Potenzial. Er ist seiner Meinung nach "in seinem nur scheinbar anarchischen, in Wahrheit aber streng geordneten System gefangen, das nur Absurditäten zu produzieren in der Lage ist, dass die möglicherweise intendierte Kritik an einer willkürlich installierten Ideologie verloren geht". Vor allem von der Wendung, welche die Erzählung zum Schluss hin nimmt, ist der Rezensent überhaupt nicht begeistert - da kippt das Buch seiner Meinung nach ins Alberne. Besondere Erwähnung ist Schröder aber die Übersetzungsleistung des Autors und Lyrikers Henning Ahrens, der aus diesem Buchstabenchaos "einen bis in die kleinsten Verästelungen seines komplizierten Systems schlüssigen Text gebaut hat".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.06.2004
Keinen Gefallen gefunden hat Martin Z. Schröder an Mark Dunns "Vermächtnis", das zwar unter der Rubrik Roman firmiert, seines Erachtens aber nicht mal die Bezeichnung "literarischer Text" verdient. Denn "Nollops Vermächtnis" sei pures Sprachspiel, behauptet Schröder, das einer relativ schlichten Konstruktion gehorche, dass nämlich auf Geheiß eines imaginären Diktators - eben "Nollops Vermächtnis" - die Buchstaben nach und nach aus der Sprache zu verschwinden haben. Eine an den Haaren herbeigezogene Geschichte, aber eine reizvolle Aufgabe für den Übersetzer, vermutet der Rezensent. Also gibt es großes Lob für Henning Ahrens , der sich viele Ausweichformulierungen einfallen lassen musste. Das ist eine Zeit lang ganz nett, verrät Schröder, doch irgendwann werde dieses Spiel zäh und langweilig. Er vergleicht den so genannten Roman des New Yorker Dramatikers Dunn mit einem Wochenendbeilagenrätsel, dem man sich als Denksport unterziehe, aber wohl kaum aus Lust an der Sprache oder gar einer plausiblen Geschichte, die es in diesem Fall auch gar nicht gebe.
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