Bücherschau der Woche
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Klappentext
Mit Adelheid Duvanel ist eine der wichtigsten Autorinnen der Schweiz wiederzuentdecken. In diesem Band versammelt Peter von Matt ihre eindrücklichsten Erzählungen, einige davon erscheinen erstmals in Buchform.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.11.2004
Dass wir alle einsam, elend und verloren sind, ephemere Gestalten in einem sinnlosen, absurden Universum, uns selbst und den anderen fremd, ist ein Thema, das in der Literatur oft und gerne variiert wird. Auch dieser Band mit Prosastücken von Adelheid Duvanel handelt von Einsamkeit, Selbst- und Weltentfremdung und Verlorenheit. Im "Verlorenheitstaumel" sieht Rezensent Roman Bucheli denn auch die "geisterhaften Figuren", die Duvanel zeichne und die sie uns immer kurz vor dem Verschwinden zeige. Bucheli zitiert einige wunderbar trostlose Sätze, die Duvanels Figuren von sich geben. Etwa Willibalds Einschätzung, "dass der Mensch sich ein Leben lang bemühe, sich zu erkennen zu geben, und doch von niemandem erkannt würde". Zwar sprächen Duvanel Figuren hin und wieder auch andere an, aber meist redeten sie so, dass man verstehe: "Sie erwarten keine Antwort. Was sie sagen, bleibt ohne Echo." Manchmal kippten Duvanels Texte ins Surreale. Bucheli freilich erkennt auch darin die "mit äußerster Sehschärfe und in größter Nüchternheit, ja Sprödheit und doch mit Hingabe geschilderte nackte Wirklichkeit".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.11.2004
Sabine Doering freut sich, dass mit diesem Sammelband mit rund 60 ausgewählten Erzählungen die 1996 verstorbene Schweizer Autorin Adelheid Duvanel wiederzuentdecken ist. Die Texte sind über 30 Jahre hinweg entstanden und sind allesamt Geschichten über "Außenseiter und Sonderlinge", erklärt die Rezensentin. Sie lobt die "hellsichtigen Momentaufnahmen", mit denen Duvanel auf knappem Raum das treffende "Psychogramm komplizierter Beziehungen" entfaltet. Insbesondere vom "erzählerischen Takt" der Autorin, die ihre Figuren bei allen ihren Beschädigungen nicht entlarvt und schon gar nicht der "Lächerlichkeit" preisgibt, ist Doering angetan und sie zeigt sich vom "großen Charme" Duvanels sehr eingenommen. Gleichzeitig preist sie die "außerordentliche Stilkunst" der Autorin und deren "poetisches Talent", das sich immer wieder in überraschenden Vergleichen zeigt. Diese Erzählungen sollte man langsam genießen, rät die begeisterte Rezensentin, die den Lesern die "außergewöhnliche Erzählerin" Duvanel eindringlich ans Herz legt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.08.2004
Meike Fessmann zeigt sich berührt von Adelheid Duvanels Prosaminiaturen, die ihrer Meinung nach allesamt unter dem "Vorzeichen der Bedrängnis" stehen und in ihrer knappen, aber verschachtelten Form für "Labyrinthe der Ausweglosigkeit" stehen. Fessmann findet es schwer, die Texte der Autorin, die sich vor acht Jahren das Leben genommen hat, nicht autobiografisch zu lesen, auch wenn Peter von Matt, der Verfasser des "instruktiven, liebevoll diskreten" Nachwortes vor solch einer Lesart wegführen will. Trotzdem hat die Rezensentin das Gefühl, als werde man als Leser zwangsläufig "Zeuge eines Fenstersturzes". Doch sie findet erfreulich, dass der Verlag der Autorin auf diesem Weg ein "kleines selbstentworfenes Denkmal gestiftet hat".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.07.2004
Geradezu entrüstet zeigt sich Rezensent Peter Hamm angesichts der Tatsache, dass die deutsche Literaturkritik die Einzigartigkeit der Schweizerin Adelheid Duvanel zu Lebzeiten "nicht bemerkt" hat. An Robert Walser erinnert ihre Sprache, an Regina Ullmann die "schockierende Naivität", die Duvanels Protagonisten ausmacht. In ihrem Erzählband finden sich alle die, die außerhalb der Gesellschaft stehen: einer, der ständig Koffer kauft, obwohl er nicht reist, einer, der Steine beneidet, weil sie so "unverrückbar" scheinen. Alle kommen sie aus fatalen Verhältnissen, bewegen sich jedoch auch auf "unsicherstem Grund mit schlafwandlerischer Sicherheit", so als hätte ihnen die Autorin eine "zweite Unschuld" verliehen. Allerdings ist das Buch, so warnt der Rezensent, nichts für Leser, die nur "Ablenkung und Nervenkitzel" erwarten; das "Leseglück" resultiert nicht aus der Pointe - diese ist bei keiner Geschichte vorhanden - sondern aus Einzelsätzen, die man "wie Gedichte" rezitieren möchte. Ein Buch für alle, die ahnen, wie schnell die Vernunft an ihre Grenze stoßen kann. Einfach "herzzerreißend".
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.05.2004
Über einen literarischen Geheimtipp hinaus, so der Rezensent Oliver Pfohlmann, hat es die Schweizer Autorin Adelheid Duvanel nie geschafft. Völlig zu Unrecht, wie er findet, und wie die vorliegende Sammlung aufs Eindrücklichste belege. Duvanels Figuren, so Pfohlmann, haben eine Seele, die einfach zu groß ist für diese Welt, sie scheinen "fragil und autistisch", und ihr Weg aus der Enge führt allenfalls zum "Sprung in die Tiefe". So sei nicht verwunderlich, dass man kaum mehr als drei oder vier dieser Prosaminiaturen hintereinander ertragen könne, auch wenn sie selten länger als zwei oder drei Seiten seien. Duvanels Sprache, "lakonisch-präzise" und "stark verdichtet", bündele die Trostlosigkeit in "gestochen scharfe Momentaufnahmen fremdartiger Innenwelten, Lebenssplitter ausgesetzter Existenzen, die sich in ihrer Eigenart unverstanden fühlen und in surreale Fantasiewelten flüchten". Ihre Bilder, die auf den Leser gleichzeitig berückend und beängstigend wirken, machen Duvanel zu einer einzigartigen Autorin, so das beeindruckte Fazit des Rezensenten.
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