Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Hanskreuf, zeit seines Lebens von Frauen geliebt, begehrt und beherbergt, wird verlassen; und das ausgerechnet in einer Silvesternacht. Es ist unten am Hafen bei den Landungsbrücken, wo die große Feuerwerksknallerei stattfindet. Ein Blick bringt Klarheit. Was folgt, ist das Jahr des ebenso heroisch-lächerlichen wie zuversichtlich-vergeblichen Aufbegehrens. Hanskreuf sieht sich neu in der Welt um und leckt seine Wunden. Indem er die Tragweite des Geschehens immer klarer wahrnimmt, fällt er in eine Art Erklärungsrausch; er redet und redet: sei es in seiner Stammkneipe "Dorf", sei es gegenüber neuen weiblichen Bekanntschaften, an deren Schultern er überraschend schnell Trost findet, oder sei es auf den griechischen Inseln, auf die er sich flüchtet und wo er den Zufallsbekanntschaften seine Gedankengebäude entwickelt, ohne sich darum zu scheren, ob sie ihm überhaupt zuhören wollen. Und es hilft ihm gar nichts, daß niemand über das Komische der eigenen Lage besser Bescheid weiß als er selbst. Hanskreuf muß sich noch einmal bis auf den Grund gehen, bis dorthin, wo Schmerz und Komik, Euphorie und Resignation verbraucht sind, wo Anfang und Ende in eins fallen, bis er - es ist wieder Silvester - endlich loslassen kann.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2004
Maria Frise konnte Hanskreuf, dem unglücklichen Ich-Erzähler von Kellings zweitem Roman, das Mitleid nicht versagen, und das liegt in erster Linie - verlassene Männer sind schließlich keine Seltenheit - an der literarischen Qualität der traurigen Klage. Die Frau, mit der er sein Leben zu verbringen gedachte, hat sich einem anderen zugewandt, und so treibt unser Held wie Strandgut durch Hamburgs Straßen und wird allabendlich an seinen Tresen aufgefangen. Von dort geht es dann des öfteren in fremde Betten, die Trost zwar versprechen, aber natürlich nicht geben. Schließlich unternimmt Hanskreuf eine "Trennungsreise" nach Griechenland (seine Ziele sind, natürlich, Inseln), und was er von dort an Atmosphäre, Eindrücken und "bühnenreifen Szenen" berichtet, hat die Rezensentin an Bruce Chatwin erinnert und daran, dass Kelling eigentlich Dramatiker und Regisseur ist. Kurzum: Ein sehr gelungener Roman, der durch seine "kunstvoll rhythmische Sprache" besticht und den immerhin preisgekrönten Vorgänger "Beckersons Buch" nach Ansicht Frises noch übertrifft.
Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.05.2004
Martin Lüdke erteilt den Lesern vorab einen Rat: sie mögen doch zunächst den Vorgänger-Roman "Beckersons Buch" lesen, da der neue Roman quasi dessen Vorgeschichte erzähle und sich nacheinander gelesen besser erschließen lasse. Die Helden der beiden Romane tragen nicht den gleichen Namen, dennoch geht es um die gleiche Geschichte, berichtet Lüdke: sie sind von ihren Frauen verlassen worden. Die gleiche Ausgangssituation nimmt nun in "Jahreswechsel" einen völlig anderen Verlauf als in "Beckersons Buch", so Lüdke, diesmal schleiche sich der Wahn auf leisen Sohlen ein. Für Lüdke entwirft Kelling Männertypen, erzählt Beziehungsgeschichten, die den Preis der Liberalisierung unseres Sexualverhaltens zum Thema haben. Der Single als Sozialfall. Das ist "weit weniger komisch als 'Sex and the City'", warnt Lüdke, Kellings Männer seien hinter ihrer Geschwätzigkeit eher armselige Gestalten, die der Autor mit Handkescher Empfindsamkeit und Bernhardschem Stilvermögen porträtiere.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner
Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








