Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 18.03.2010, 20.18 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Paul Celan, Ilana Shmueli

Paul Celan - Ilana Shmueli: Briefwechsel

Cover: Paul Celan - Ilana Shmueli: Briefwechsel

Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN-10 3518415964
ISBN-13 9783518415962
Gebunden, 250 Seiten, 20,80 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Herausgegeben von Ilana Shmueli und Thomas Sparr. Mit 12 Abbildungen. Einer der wichtigsten Briefwechsel Paul Celans ist der mit Ilana Shmueli, einer Freundin aus Czernowitzer Jugendtagen und aus der Zeit des Ghettos. Nach Jahrzehnten der Trennung waren der berühmt gewordene Dichter und die mittlerweile in Israel lebende Ilana Shmueli einander 1965 in Paris wiederbegegnet. Aber erst im Oktober 1969, mit Celans Reise nach Israel, beginnt eine dichte Korrespondenz. Jerusalem und die Frau, die ihm Jerusalem zeigt, scheinen noch einmal ein Anker der Hoffnung, eine Rettung aus Vereinzelung und Verzweiflung. Und doch muss Celan, nach Paris zurückgekehrt, erkennen, "dass die Kräfte, die ich in Jerusalem hatte, geschwunden sind". Daran werden auch Ilana Shmuelis Paris-Besuche um die Jahreswende 1969/1970, die Utopie eines gemeinsamen Lebens, ihre beschwörenden und oft verzweifelten Briefe bis zum April 1970 entscheidend nichts ändern: zu klein sind die "Schilfe im Wasser", wie Ilana Shmueli diese Hoffnungsinseln selbst nennt. Die intensive Korrespondenz in 130 erhaltenen Briefen, von denen manche an einem Tag verfasst, unterbrochen, wieder aufgenommen, widerrufen oder ergänzt wurden, gibt ein äußerst anschauliches Bild der letzten Lebensmonate Paul Celans.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.04.2004

Sabine Franke ist sehr bewegt von der Lektüre des Briefwechsels zwischen dem Dichter Paul Celan und seiner Jugendfreundin Ilana Shmueli, die Celan noch aus Czernowitz kannte. Shmueli war während des Krieges nach Israel emigriert, die beiden trafen sich Mitte der sechziger Jahre wieder, als Celan schon in schlechter psychischer Verfassung war. Shmueli nahm die Herausforderung einer Liebesbeziehung dennoch an, Celan wiederum reiste 1969 das erste und einzige Mal nach Israel, anschließend setzte der intensive Briefwechsel ein, der bis zu Celans Selbstmord dauern sollte. Auch wenn sich Shmueli häufig bei Celan für ihre vermeintliche Unterlegenheit entschuldigt, kann Franke kein Ungleichgewicht zwischen den beiden Briefpartnern feststellen. Etwa zwanzig Gedichte Celans sind im Rahmen des Briefwechsels entstanden, auch sie sind dieser sorgfältig zusammengestellten und kommentierten Edition beigegeben: und zwar genau wie die Briefe in chronologischer Reihenfolge. Das ist zwar gelegentlich verwirrend, gesteht Franke, weil sich Briefe überschnitten haben, andererseits sei der Leser damit auf dem authentischen Stand des Informationsflusses zwischen den beiden. Ein Interview mit Celan zur deutschen Nachkriegslyrik, ein Bericht Shmuelis von Celans Israelreise und die Erinnerung Israel Chalfens an eine Vorlesung Celans in Jerusalem ergänzen diesen mit größter Vorsicht und höchster Sorgfalt gemachten Band, der Celans letzte Liebesbeziehung sowie sein zwiespältiges Verhältnis zu Israel spiegelt, lobt die Rezensentin.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2004

Die Briefe nehmen dem Leser den Atem, schreibt ein atemlos begeisterter Rezensent Christoph König über dieses Konvolut von 133 Briefen und 26 Gedichten, die in den Jahren 1965 - 1970 zwischen Paris und Israel hin und her gegangen sind, wo Ilana Shmueli, Freundin Paul Celans schon aus Czernowitzer Kindertagen, lebte. Die Gedichte seien 1976 posthum als zweiter Zyklus des Bandes "Zeitgehöft" zuerst erschienen. König zufolge fehlen der Korrespondenz allerdings drei Briefe Ileana Shmuelis, die im Deutschen Literaturarchiv liegen. König sieht in diesem Briefwechsel (wie schon nach der Veröffentlichung des Briefwechsels mit Celans Frau) die Frage nach der Biografie Celans neu zugespitzt. Auch gewinnt für den Rezensenten darin die Erotik ein bislang ungekanntes Gewicht. Beeindruckt sieht König in Celans Briefen an die Freundin außerdem wesentliche Gedanken aufgegriffen, die später im Gedicht weitere Form annahmen. Auch Ileana Shmuelis Einblick in Celans Wesen, die Scheu, mit der sie im Nachwort diese "schutzlosen, oft - und gerade im Schmerz hemmungslosen Briefe" kommentiert, bewegen den Rezensenten sehr. Kommentierung und umsichtige Ergänzung der Korrespondenz durch den Herausgeber werden ebenfalls lobend erwähnt.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Meine Straße war die WeltJuan Jose Millas: Meine Straße war die Welt
Aus dem Spanischen von Peter Schwaar. In "Als die Welt Kind war" erzählt Juan Jose Millas von dem ...

Buch: Kleines morgendliches VerbrechenGeorgi Gospodinov: Kleines morgendliches Verbrechen
Aus dem Bulgarischen von Valeria Jäger, Uwe Kolbe und Alexander Sitzmann. Dieser erste deutsche Auswahlband ...

Archiv: Bücherschauen

Dichtung und Tischtennis

18.03.2010: Als tieftraurig und hochkomisch zugleich preist die SZ Jan Faktors Roman mit dem Monster-Titel "Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder Im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag". Die FR lobt den Roman ebenfalls, aber mit Vorbehalten gegen seine Lustigkeit. Hingerissen ist sie auch von Nicholson Bakers Lyriker-Roman "Der Anthologist". Die FAZ schwärmt von Hans-Ulrich Treichels Berliner Heimatlosigkeitsroman "Grunewaldsee". Für die heute erschienene Literaturbeilage der Zeit werden wir noch ein paar Tage brauchen.
Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Francois Walter: Katastrophen

15.03.2010: Für die Natur gibt es keine Katastrophen, nur für die Menschheit. Der Schweizer Historiker Francois Walter hat eine Kulturgeschichte ihrer Bewältigung geschrieben und der Sinnsuche des Menschen: Strafe Gottes, Prüfung der Gottesfürchtigen sowie Ansporn zu neuen technischen Entwicklungen. Hier eine Leseprobe aus "Katastrophen". Mehr lesen

Betina Gonzalez: Nach allen Regeln der Kunst

11.03.2010: Im Erstlingsroman der Argentinierin Betina Gonzalez begibt sich eine Tochter auf die Suche nach den Spuren ihres Vaters, eines mittelmäßigen Bildhauers, und nimmt Kontakt mit seinen Geliebten auf. Hier eine Leseprobe aus "Nach allen Regeln der Kunst". Mehr lesen

Necla Kelek: Himmelsreise

08.03.2010: Passend zum 8. März: Necla Kelek kämpft in ihrem neuen Buch für eine aufgeklärte Lesart des Koran, informiert über Entstehung und Hintergründe und stellt fest: Auf den Koran kann sich nicht berufen, wer für Kopftuch und fünf Pflichtgebete am Tag plädiert. Lesen Sie hier ein Kapitel aus "Himmelsreise". Mehr lesen

Archiv: Buchautoren