Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Wie viele es genau waren, die zwischen dem 16. und dem 23. September auf Kephallonia im Kampf fielen, als Gefangene bei Massenerschießungen umgebracht wurden oder auf den Schiffstransporten ans Festland im Meer ertrunken sind, werden wir nie erfahren. Von ihrem Schicksal haben sich keine Erinnerungen erhalten: Kein Tornister, keine Erkennungsmarke, kein Ausweis, kein buntes Heiligenbildchen. Niemand wird ihre Geschichte anhören oder aufschreiben. Ihre Namen sind nirgends verzeichnet, niemand wartet auf ihre Heimkehr. So ist auch Pampalonis Bericht nur ein winziger Mosaikstein, zufällig an Land gespült und aufbewahrt in der Erinnerung. (Der Autor, aus dem Prolog)
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.07.2004
Ein Buch, das fällig war, sieht Johannes Klotz in "Kephallonia 1943-2003" von Christoph Schminck-Gustavus. Weitgehend unbekannt seien die Gräuel geblieben, die im September 1943 auf der griechischen Insel Kephallonia die deutsche Wehrmacht unter dem Kommando von General Hubert Lanz an italienischen Soldaten verübte. Kurz zuvor war die deutsch-italienische Kriegsallianz zerbrochen. Tausende von gefangen gesetzten Italienern, die "auf ehrenvolle Weise nach Italien zurückzukehren" wollten, wurden umgebracht. Anhand des Schicksals eines Überlebenden, des italienischen Artilleriehauptmanns Amos Pampaloni, zeichne Schminck-Gustavus in seinem Buch die Ereignisse "einfühlsam" nach, urteilt der Rezensent. Ausführlich werde auch der "ungesühnten Nachkriegsgeschichte dieses Verbrechens" nachgegangen. Denn die deutsche Justiz habe bei der Verfolgung der Täter eklatant versagt. Der Hauptverantwortliche, Hubert Lanz, gab schon 1954 einen Erinnerungsband über die Taten seiner Gebirgstruppe "Edelweiß" heraus. Darin habe er "von dem ihm untergebenen damaligen Generalstabsoffizier Karl Wilhelm Thilo eine Legende schreiben" lassen. In ihr finde sich "kein Wort von den Massenerschießungen, kein Wort über den Bruch des Völkerrechts und der Haager Landkriegsordnung."
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004
Endlich wird ein "zu lange" unbeachtetes Verbrechen der Wehrmacht untersucht, freut sich Christian Semler anlässlich Christoph Schminck-Gustavus' Untersuchung des Massakers von Kephallonia. Nicht Aktenstudium stehe dabei im Vordergrund, vielmehr habe der Autor Überlebende aufgesucht, Tatumstände ermittelt und Zeugenaussagen verglichen. Arbeiten, die eigentlich Aufgabe der deutschen Nachkriegsjustiz gewesen wären, kommentiert Semler säuerlich. Schminck-Gustavus gelinge es, die Gespräche mit den Opfern nicht als "dürre" Ermittlungsergebnisse zu präsentieren, sondern eine "sehr dichte, lebendige", und noch dazu von "Heiligenbildchenmalerei völlig freie" Geschichte zu erzählen. Mit diesem "begrüßenswerten Fall" von angewandter Wissenschaft erhalten die Opfer der deutschen Besatzungspolitik nun endlich ein Gesicht, schreibt Semler.
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