Bücher der Saison
Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.
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Klappentext
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr Leben meistern, wie sie arbeiten, denken, lieben und wie es ihnen dabei geht. "Wer im Westen bisher seine Vorurteile über den Jammer-Osten gepflegt hat, wird staunen", sagt die Autorin, und tatsächlich: zuversichtlich und risikofreudig, mit Lust und Leidenschaft meistern die Ost-Frauen ihr Leben - und sie sind dabei selbstbewusster und selbständiger als ihre Pendants im Westen. Zudem wurden sie durch die Wende-Erfahrung noch stärker, als sie ohnehin waren. Die Ost-Frauen haben Spaß am Leben. Aber es geht ihnen nicht um den Spaß an der glitzernden Werbewelt, sondern um Glück, das selbst geschmiedet ist und die Fähigkeit, das Wichtige vom Unwichtigen zu unterscheiden.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.10.2004
Der Rezensent Uwe Stolzmann findet auf jeden Fall interessant, was die vom dem deutschen Osten begeisterte und deshalb dorthin umgesiedelte Autorin Martina Rellin in ihren Berichten aus dem Leben ostdeutscher Frauen zusammengetragen hat. Seiner Meinung nach - auch wenn er den Enthusiasmus der nach eigenem Bekunden "total ossifizierten" Autorin ein bisschen zu belächeln scheint - ist bei ihrem Versuch, die Lebenswege ganz normaler Frauen (dokumentiert sind sie in dem Band als Monolog) zu beschreiben, ein durchaus "lesenwertes Buch" herausgekommen, das so mancher Klischeevorstellung vom Osten entgegenläuft.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2004
Gisa Funck kann diesem Buch, in dem Martina Rellin vierzehn Gesprächsprotokolle von Frauen aus der ehemaligen DDR aufgezeichnet hat, nicht viel abgewinnen. Die Rezensentin rechnet die Autorin zu den "Wostalgikern", zu den Westdeutschen, die im Osten die "Überreste einer "Ideal-Gesellschaft" zu erkennen glauben. Deshalb ist die "ideologische Marschrichtung" des Buches auch die These von der größeren Tatkräftigkeit und Selbständigkeit der "Ostfrauen" gegenüber ihren westlichen Schwestern, stellt Funck fest. Dabei vermisst die Rezensentin allerdings "Quellenangaben oder sachliche Redlichkeit", zum Beispiel wenn behauptet wird, die Depressionsrate sei bei Westlerinnen doppelt so hoch wie bei Ostfrauen. Auch das "gängige Vorurteil" über die freizügigeren Frauen aus dem Osten sieht die Rezensentin in diesem Buch einmal mehr wiederholt. Was dagegen fast völlig fehlt, sind die "selbstkritischeren Töne", meint Funck unangenehm berührt und fühlt sich von dem immer wieder durchklingendem "Renommiersound des Ossi-Stolzes" abgestoßen. Dabei sei es schade, dass die "interessanten Aspekte" der verschiedenen Werdegänge der Frauen dabei untergingen, bedauert die Rezensentin, die in wenigen Passagen der verschiedenen Biografien die "Krise", die die Wende für viele Frauen auch bedeutet haben muss, herausgelesen hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.03.2004
Nun ja, zumindest ist es nicht peinlich, schreibt Liane von Billerbeck über das Buch von Martina Rellin, und will das als sachtes Lob verstanden wissen. Denn Verlagsankündigung und Titel hätten ja die üblichen Klischees erwarten lassen - von wegen Ostfrauen sind freizügiger und selbstständiger und so weiter. Doch die Erfahrungsberichte der fünfzehn Frauen, die Rellin gesammelt und aufbereitet hat, sind unaufgeregter und damit besser als erwartet, berichtet die Rezensentin aufatmend. Keine Stereotypen, dafür viel Leben: "Von Feigheit und Mut, Freude und Frust, Kindern und Männern und vielen, vielen Neuanfängen." Billerbeck findet es prima, dass Kleines und Großes, Alltägliches und Bedeutendes gleichberechtigt nebeneinander stehen. Ihr Fazit: ein nettes Buch.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 25.03.2004
"Klischees gegen Klischees", viel mehr hat Barbara Bollwahn aus Martin Rellins Hymne an die ostdeutsche Frau nicht herauslesen können. Sicherlich habe jede der vorgestellten Frauen eine interessante Geschichte, aber für diese interessiere sich die Autorin in erster Linie gar nicht. Leider gehe es Rellin "ausschließlich" darum, ihrer "grenzenlosen Bewunderung für Ostfrauen zu frönen". Da die vorgestellten Frauen ununterbrochen reden dürfen, geraten die Erzählungen oft "ausschweifend, ermüdend oder einfach platt", klagt Bollwahn. Was ist etwa überraschend daran, fragt die Rezensentin, wenn ostdeutsche Mütter ihren Kindern wieder die alten russischen Märchenfilme zeigen, die sie selbst als Kind gesehen haben? Als Denkmal für die Ostfrau steht dieses Buch für Bollwahn auf einem recht "wackligen Fundament".
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