Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Frank Schirrmacher

Das Methusalem-Komplott

Die Menschheit altert in unvorstellbarem Ausmaß. Wir müssen das Problem unseres eigenen Alterns lösen, um das Problem der Welt zu lösen

Cover: Das Methusalem-Komplott

Karl Blessing Verlag, München 2004
ISBN-10 3896672258
ISBN-13 9783896672254
Gebunden, 220 Seiten, 16,00 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Niemand wird gerne alt. Jetzt altern ganze Völker in nie gekanntem Ausmaß. Das individuelle Schicksal wird zum politischen und ökonomischen Schicksal fast aller Staaten der Erde. Selbst nach vorsichtigen Schätzungen wird dieser Prozess auf unabsehbare Zeit anhalten. Für die nächsten fünfzig Jahre ist er bereits unumkehrbar. Die heute jungen Männer und Frauen, die später die vielen Alten werden, haben deshalb jetzt eine historische Chance: Sie müssen - schon aus Überlebensinstinkt - gegen die Diskriminierung des Alters vorgehen. Tun sie es nicht, werden sie in dreißig Jahren in die seelische Sklaverei gehen.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.04.2004

Auch wenn Frank Schirrmacher in seinem Buch über das derzeit gern diskutierte Alterungsproblem zunächst einmal "grell" einen "Krieg der Generationen" an die Wand malt - seine Botschaft hält Rezensent Joachim Güntner letztlich für "überraschend undramatisch". Kein Votum nämlich für eine wie auch immer geartete Bevölkerungspolitik findet er bei Schirmacher, sondern ein Plädoyer für ein selbstbewusstes Altern. Damit das gelingt, müssen nach Schirmacher allerdings die negativen Bilder und Selbstbilder, die über das Altern im Umlauf sind, korrigiert werden. So ziehe Schirmacher unter Berufung auf Genetiker, Demographen, Mediziner und Literaten gegen die negativen Stereotypien vom Altern ins Feld und eröffne nebenbei tröstliche Perspektiven. Güntner hält ihm dabei eine "Fixierung aufs Geistige" vor - was dazu führe, dass ganze Bevölkerungsgruppen in Schirrmachers Betrachtung keinen Platz fänden. Für Güntner hat das auch damit zu tun, dass es Schirrmachers Generation ist, um die es hier geht. "Eine teilweise ironisierte, mehr noch aber idealisierte Generation, der er zuschreibt, die Gesellschaft revolutioniert zu haben", resümiert Günter: "Das soll sie nun mit der Positivierung der Altersbilder ein zweites Mal leisten."

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.04.2004

Volker Breidecker geht in Deckung, allerdings weniger vor Frank Schirrmachers apokalyptischen Thesen als vor der Sprache, in der sie vorgetragen werden: Der FAZ-Herausgeber mobilisiere "mittelalterliche Totentänze und martialische Kriegsrhetorik", um dröhnend und raunend den bevorstehenden "Krieg der Generationen" anzukündigen, meint Breidecker. Dabei enthalte das Buch durchaus "scharfsinnige Beobachtungen über Jugendwahn, Altersangst und die mit Schuld- und Schamgefühlen besetzten Bilder und Selbstbilder vom Altern in unserer Gesellschaft". "Gleichwohl", so Breidecker, "entzieht es sich den Problemen des tatsächlichen Alterns, und trotz einer unheilschwangeren Todesrhetorik ignoriert es das individuelle Sterben und den wirklichen Tod". Stattdessen: "endzeitliche Grammatik" mit Superlativen, wohin das Auge blickt, und eine Dringlichkeit demonstrierende Anrede des Lesers: Passen Sie auf, bald ist es so weit!

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.03.2004

Kein gutes Haar lässt Rezensent Stefan Reinecke an Frank Schirrmachers Buch "Das Methusalem-Komplott", in dem der FAZ-Herausgeber ob der immer älter werdenden Gesellschaft Alarm schlägt. Das Schreckenszenario, das Schirrmacher in einem einzigen "MG-Feuer von Hyperbeln, steilen Vergleichen und nervtötenden Kriegsmetaphern" beschwört, nötigt Reinecke immer wieder süffisante Kommentare ab, etwa wenn Schirmacher erklärt: "Nicht nur Menschen, ganze Völker werden altern". Dabei will Reinecke überhaupt nicht leugnen, dass das Phänomen einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft ein ernstes Problem darstellt - ein Problem freilich, dem Schirrmachers Buch, das vor "Alarmismus", "Dramatisierungsfloskeln", "krachender Rhetorik" und "Angstbildern" nur so strotzt, seines Erachtens nicht gerecht wird. Interessant findet Reinecke den Text lediglich als "Symptom einer Krise", "als Versuch, die Figur des Intellektuellen unter verschärften medialen Bedingungen zu verteidigen". Doch auch dieser Versuch geht für Reinecke in die Hose: "Der Typus Schirrmacher", analysiert Reinecke, "ist ein Intellektueller im Schrumpfstadium". So hält er Schirrmacher vor, sein Kerngeschäft, die Reflexion, vor lauter Wille zur Wirkung aufgegeben zu haben.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.03.2004

"Peinlich berührt" war Hilal Sezgin von Frank Schirmachers "verschwörungsneurotischem" Pamphlet. Ausgehend von der Prognose, dass immer mehr Menschen immer älter werden, schildert der Autor "aufgeregt" den "Altersrassismus" unserer Gesellschaft und stellt unseren Umgang mit alten Menschen dem mit alten Autos gleich, berichtet die Rezensentin: Die Gesellschaft "jagt das alternde Auto auf der Autobahn, wenn es nicht freiwillig zur Seite geht... und entzieht ihm am Ende aus Sicherheitsgründen die Zulassung", zitiert Sezgin aus dem Buch. Insbesondere stieß der Rezensentin die konsequente Ausblendung der eigenen Ängste vor dem Alter auf: Weder Krankheit noch Tod, noch Pflegebedürftigkeit würden in Schirrmachers "Manifest" aufgegriffen, geschweige denn, dass der Autor nach Lösungen und Alternativen für die Altersproblematik suchte. Stattdessen bombardiere Schirrmacher den Leser mit militanten Metaphern und "Phrasen" - "erbärmlich undiszipliniert", urteilt Sezgin.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Havanna im SpiegelAlma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel
Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto ...

Buch: Klar bin ich eine Ost-Frau!Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr ...

Archiv: Bücherschauen

Das Gegenglück, der Geist

09.02.2010: Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Christopher Isherwood: Löwen und Schatten

08.02.2010: Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe. Mehr lesen

Miljenko Jergovic: Freelander

01.02.2010: Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Mehr lesen

Alain Mabanckou: Black Bazar

25.01.2010: Alain Mabanckou erzählt in seinem Roman "Black Bazar" sehr selbstironisch von den Träumen afrikanischer Männer, die in Paris ihr Glück suchen. Und hin und wieder auch einen Rückschlag verschmerzen müssen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Archiv: Buchautoren