Elisabeth Badinter

Die Wiederentdeckung der Gleichheit

Schwache Frauen, gefährliche Männer und andere feministische Irrtümer
Cover: Die Wiederentdeckung der Gleichheit
Ullstein Verlag, München 2004
ISBN 9783550075926
Gebunden, 190 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Petra Willim. Frauen sind wehrlos und unterdrückt, Männer unsensibel und gefährlich. Elisabeth Badinter weist derartige feministische Klischees in ihrem viel diskutierten Buch mit Verve zurück. Sie stellt dabei die ketzerische Frage, welche Fortschritte die letzten zwanzig Jahre Frauenbewegung tatsächlich gebracht haben. Ihr engagiertes Plädoyer für einen feministischen Kurswechsel ist weder larmoyant, noch moralisierend, noch männerfeindlich, sondern ein leidenschaftliches Bekenntnis zur Gleichheit von Mann und Frau.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 02.10.2004

Mit dieser im letzten Jahr in Frankreich erschienenen Streitschrift hat Elisabeth Badinter für "Furore" gesorgt. Sie fordert darin die Abkehr vom - von ihr so genannten - "Differenzfeminismus", der Vorstellung also eines apriorischen Unterschieds der Geschlechter, der zur Grundlage für gesellschaftliche Ansprüche gemacht wird. Sie stellt die Idee der Gleichheit dagegen, im expliziten Bezug auf die Universalität der Menschenrechte. Man hat Badinter allerhand vorgeworfen, wie der Rezensent Warnfried Dettling referiert, etwa, dass sie real existierende Unterschiede verschweige und letztlich dem Neoliberalismus in die Hände spiele. Die Vorbehalte des Rezensenten zielen eher in eine andere Richtung. Er fragt sich, ob hier nicht Kämpfe der siebziger und achtziger Jahre ausgefochten werden, und die angesichts gelingender Emanzipationen drängenderen Fragen nicht ausgeblendet blieben, wie etwa diese: "Wie aber müsste eine Gesellschaft aussehen, in der beiden Geschlechtern beide Welten offen stehen?"

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.03.2004

Recht anregend findet Ulrike Fell diesen Band, in dem Elisabeth Badinter eine "kritische Bilanz des Feminismus" zieht. Als Feministin in der Tradition Simone de Beauvoirs sehe Badinter den gesamten zeitgenössischen Feminismus auf dem Holzweg und räume deshalb mit den Irrtümern des jüngeren Feminismus auf. Gegen die "Differenzfeministinnen", die einen grundsätzlichen Unterschied der Geschlechter ansetzen und besondere Rechte für die Frau einfordern, halte Badinter am Prinzip des Universalismus fest, wonach alle Menschen gleich sind, unabhängig vom Geschlecht. Sie störe sich an der "systematischen Viktimisierung" der Frauen, die darauf abziele, "das Bild des weiblichen Opferlamms und des gewalttätigen Mannes zu dramatisieren" (Badinter). Dass die Autorin Grausamkeiten von SS-Frauen und mordenden Hutu-Kriegerinnen als Beispiele anführt, um den Mythos von der weiblichen Unschuld zu entkräften, geht Fell dann allerdings ein wenig zu weit. Kritisch bemerkt Fell, dass Badinter, ohne es zu wollen, ein neues Opferbild konstruiert: das des Mannes. Andererseits lobt Fell die "erfrischende Argumentation" der Autorin und beglückwünscht sie, dass sie "mutig neue Wege" einschlägt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 24.03.2004

Das Buch von Elisabeth Badinter rechnet Rezensentin Elke Buhr zu den polemischen Generalabrechnungen mit den Fehlentwicklungen in feministischer Praxis und Theorie. Die Autorin hat, nach Ansicht der Rezensentin, ihren Ausweg aus "Enttäuschung über die steckengebliebene Emanzipation" in einem "Rundumschlag gegen die feministischen Kolleginnen" gefunden. Buhr allerdings findet, dass sich Badinter in ihrem "fauchenden Ausfall" gegen Andrea Dworkin und Catherine MacKinnon etwa zu leichte Gegner gesucht hat. Mit deren "überzogenen Generalverdacht gegen Heterosexualität", der "mit der Prüderie des Konservatismus gemeinsame Sache gemacht" habe, seien die beiden zwar, ebenso wie die Biologismen einiger französischer Feministinnen, "immer für eine Portion Häme gut", dem heutigen "feministischen Dilemma" weiche man aber auch damit nur aus.

Beliebte Bücher

Robert Seethaler. Die Straße - Roman . Claassen Verlag, Berlin, 2026.Robert Seethaler: Die Straße
Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in…
Heike Geißler. Michaela Kohlhaas - Roman . Suhrkamp Verlag, Berlin, 2026.Heike Geißler: Michaela Kohlhaas
"Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem…
Petra Morsbach. Orion - Roman . Penguin Verlag, München, 2026.Petra Morsbach: Orion
Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen…
Karl Ove Knausgard. Arendal - Roman. Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Karl Ove Knausgard: Arendal
Aus dem Norwegischen von Paul Berf. Wo ist dein Platz im Leben? Wohin gehörst du? Wo liegen deine wahren Gefühle?Wir schreiben das Jahr 1976. Syvert Løyning ist nach einer…