Ginas Ruf ist famos. Denn bei ihr kann man sicher sein, daß es am Morgen danach nicht zu den üblichen lästigen Peinlichkeiten kommt. Auch Gordian, ihre neueste Eroberung, ahnt nicht, daß sich hinter Ginas Lässigkeit ein einträgliches Geschäftsmodell verbirgt ... Zack macht mit seiner geliebten Tequila, die beständig viele kleine süße Pitbulls wirft, ebenfalls das Geschäft seines Lebens - bis zu jenem verflixten Samstag, einem dieser Tage, an denen alles, aber auch wirklich alles schiefläuft. Und dann sind da noch die Geschwister Fritzi und Franz - nicht wirklich Zwillinge, aber doch einander auf so verstörende Weise nahe. Oder die Ich-Erzählerin aus der letzten Geschichte, die ihr Europa-Puzzle in den sommerlichen Familienurlaub mitnimmt und feststellen muss, dass auch im echten Leben manches Teilchen sich einfach nicht zu den anderen lügen will.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.05.2004
Gemischt, mit einer Tendenz zum Lob ist das Urteil, zu dem Nico Bleutge in seiner Rezension von Ulrike Draesners Erzählungband kommt. Ihm gefällt der lyrische Stil und die Metaphern, derer sich die Autorin bedient und die "zerschuppte Emotionen und Erinnerungsreste nur noch wie kleine Fremdkörper" in den Erzählungen sitzen lassen: "Diese Metaphorik überzeugt immer dann, wenn Draesner sie an jene harten Schnitte bindet, die sie schon in ihrer Lyrik kultiviert hat". An manchen Stellen hält die Autorin nach Bleutges Meinung diesen Stil aber nicht besonders konsequent durch. Problematisch findet der Rezensent auch die Geschichten, die mit Theoremen überfrachtet sind: "Allzu durchschaubar wirken auch jene Texte, in die Draesner freizügig kleine Theoreme einschleust, die den Sätzen ihre Struktur vorgeben." Doch von den gelungenen Passagen ist der Rezensent sehr beeindruckt: Draesner "filetiert sie die Welt und fügt sie anschließend zu frostigen Sprachgeweben" zusammen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.03.2004
Ulrike Draesner kann es nicht lassen, sich auf das "prekäre Terrain des Begehrens" zu begeben, stellt Rezensent Michael Braun umso erfreuter fest, als sich die vorliegenden zwölf Erzählungen wirklich sehen lassen können. Ganz wichtig sei allerdings bei Draesner, dass das Begehren im "Zeitalter der künstlichen Reproduktion" begriffen wird, so dass die "dichten und intensiven" Texte als "Lektionen über mehr oder weniger traumatisierende Liebesversuche und gescheiterte Paarbildungen" gelten könnten. Das Wort "Liebe" fällt dementsprechend nur ein-, zweimal im Nebensatz, wie der (scheinbar doch noch romantische) Rezensent gezählt hat, als blasse Erinnerung an eine vorsintflutliche Zeit. Bei Draesner "mäandern Gefühle durch eine Gesellschaft bindungsunfähiger Subjekte" und "fungieren sexuelle Akte nur als Vorspiel zur weltweiten Distribution von Spermaproben", so Braun. Bezeichnend findet er auch, dass dem Leser überall "Grenzgänger des Begehrens" begegnen, zumal wenn "verbotene Liebe" im geschwisterlichen Inzest aufbricht oder immer wieder Tiere eine Rolle spielen. An ihnen werde verdeutlicht, wie sehr die "heillose Fremdheit der Liebes-Akteure" mit menschlicher "Grausamkeit" zu tun hat. Viel "Vertrauen in menschliche Liebesfähigkeit", so der Rezensent, findet sich in Draesners Erzählungen nicht.
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