Das vierte Gebot, getragen von der herkömmlichen Moral, verlangt von uns, unsere Eltern zu ehren und zu lieben, auf daß wir - so die versteckte Drohung - lange leben. Dieses Gebot der Ehr-Furcht beansprucht universelle Gültigkeit. Wer es befolgen will, obwohl er von seinen Eltern einst missachtet, misshandelt, missbraucht wurde, kann dies nur, wenn er seine wahren Emotionen verdrängt. Gegen diese Verleugnung und das Ignorieren von unbewältigten Kindheitstraumata revoltiert indes der Körper häufig mit schweren Erkrankungen. Wie diese entstehen, zeigt Alice Miller in ihrem neuen Werk.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.05.2004
In der Rezension von Alice Millers Buch "Die Revolte des Körpers", in dem die Autorin die Krankheiten berühmter Schriftsteller unter die Lupe nimmt, ist auf Seiten Kristina Maidt-Zinkes Widerstand zu verspüren. Die Rezensentin stellt fest, dass Miller "unermüdlich" an den Theorien "weiterwebt", die sie bereits vor 25 Jahren aufgestellt hat und die besagen, dass alle Krankheiten und Grausamkeiten der Menschen letztlich auf den Verletzungen beruhen, die sie in ihren frühen Kinderjahren erlitten haben. Sie will der Autorin gern zugute zu halten, dass sie mit ihren "immer plakativern und kleinmoritzhaften" Theorien letztlich Kinder vor Gewalterfahrungen bewahren will. Doch würde sich die Rezensentin wünschen, dass solche Versuche "seriöser" sein sollten, als sie sich im vorliegenden Buch darstellen.
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