Stephan Suschke, Müllers engster Regie-Mitarbeiter der späten 80er und der 90er Jahre, erarbeitete ein außergewöhnliches Buch, das Müllers erfolgreiche Theaterarbeit vor dem Hintergrund tiefgreifender politischer Veränderungen beschreibt. Das Buch montiert Dokumente, Notate und Äußerungen, die im Kontext der Inszenierungen entstanden sind, mit Gesprächen, die Stephan Suschke mit Beteiligten geführt hat, u.a. Daniel Barenboim, Hermann Beyer, Corinna Harfouch, Waltraud Meier, Erich Wonder, Martin Wuttke. Nicht nur der außergewöhnlich hohe Bildanteil, sondern auch Einführungen zu den Stücken Müllers und den politischen und ästhetischen Hintergründen der Inszenierungen ermöglichen zudem jenen Lesern einen Zugang zur Gedankenwelt Heiner Müllers, die die Inszenierungen nur aus der Erinnerung oder gar nicht kennen.
"Herausragend" findet Stefan Mahlke dieses Buch, das "Müllers Denken und dessen praktische Umsetzung" dokumentiert. Stephan Suschke war ab 1987 "immer dabei", wenn Müller inszenierte und hat die Beteiligten interviewt, informiert der Rezensent. Besonders Müllers Weigerung, die Schauspieler ihre Rollen psychologisch interpretieren zu lassen, habe Krisen ausgelöst, die Suschke hier genau beschreibe. Mahlke belegt dies mit Zitaten von Corinna Harfouch und Martin Wuttke. Mit diesem Buch, so unser erfreuter Rezensent, gewinnt Müllers anderes Theater "Konturen".
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