Bücherschau der Woche
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Robert Burton
Die Anatomie der Schwermut
Über die Allgegenwart der Melancholie, ihre Ursachen und Symptome sowie die Kunst, es mit ihr auszuhalten
Klappentext
Aus dem Englischen und mit einem Essay von Ulrich Horstmann. Burtons Riesenwerk handelt von einem Leiden, das jeder kennt. Die moderne Medizin möchte es auf den klinischen Begriff der Depression reduzieren, aber damit ist es nicht getan. Denn die Melancholie ist von der condition humaine nicht zu trennen; nur dem Stumpfsinnigen ist sie unbekannt. Der Autor dieses Buches spricht zu uns aus einer Distanz von mehr als dreihundert Jahren; doch es fällt uns nicht schwer, unsere eigenen Erfahrungen in den seinigen wiederzuerkennen. Seine lebenslange Schwermut äußert sich empört, aber nicht verbittert, illusionslos, aber im Gesprächston eines Menschen, dem man vertrauen kann. Was er uns hinterlassen hat, ist keine medizinische Abhandlung, sondern ein Weltpanorama, in dem von Liebe und Religion, Wahn und Sex, Politik und Krieg ebenso die Rede ist wie von der "schwarzen Galle".
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.03.2004
Eine "sehr persönliche" Schneise hat sich der Gießener Anglist Ulrich Horstmann durch Robert Burtons "Urwald von einem Buch" geschlagen, meint Wolf Lepenies. Dies ist wohlgemerkt keine Kritik, denn wie der Rezensent betont, sei es keinem Verlag zuzumuten, den "wuchernden, schweifenden Riesentext" des englischen Originals in einer kompletten deutschen Übersetzung vorzulegen. Horstmann habe sich in Auswahl, Übersetzung, wie auch in seinem Nachwort an einer Lesart orientiert, die insbesondere die Aktualität des exzentrischen Melancholikers akzentuiere, der schrieb, um der eigenen Schwermut abzuhelfen: "Burton ist für jeden Melancholiker ein Zeitgenosse." Diese Schwerpunktbildung sei eine von vielen möglichen und stehe gleichberechtigt neben jenen der alternativen deutschen Ausgaben - den ganzen Burton dagegen, gibt's nur im Original, betont Lepenies.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.03.2004
Eberhard Rathgeb würdigt die neue Ausgabe von Robert Burtons Kompendium der "Krankheit", "die als Stimmung die Seele färbt und sich dort schließlich einnistet: die Melancholie". Der Theologe aus Oxford gehe mit der "Akribie der Schwermütigen" den Spuren eines Leidens nach, das durch Tabletten und Therapien nicht zu kurieren sei. Die umfangreiche und wohlausgestattete Ausgabe stimmt den Rezensenten frohgemut. Burton habe Aussagen von Dichtern, Theologen, Medizinern und Denkern über die seelische Qual gesammelt und erteile Ratschläge und Ermahnungen. Der Rezensent empfiehlt das Buch in erster Linie den "mit guter Laune aufgeblasenen Lesern", auf dass es sie um die Einsicht bereichere, dass "der Zustand der Welt trübsinnig machen kann". Doch auch für jene sei die Lektüre ein Gewinn, die das schon wissen, da es "anekdotenreich genug" sei, um sie "eine Weile vor dem restlosen Verzweifeln zu schützen".
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








