Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2004
Seit einem Jahrzehnt hat sich die Bildwissenschaft rasant entwickelt, staunt Steffen Siegel. Schon längst widmet sie sich nicht mehr nur den klassisch kunsthistorischen Themengebieten. Ins Mittelalter zurück führt die von dem Konstanzer Mediävisten Alexander Patschovsky betreute Untersuchung zur "Bildwelt der Diagramme Joachims von Fiore", einem kalabrischen Zisterziensermönch, der zu seiner Zeit mit Spekulationen über den Weltenlauf und die Apokalypse Aufsehen erregte. Ein sehr entlegen wirkendes Thema, das jedoch geradezu beispielhaft vor Augen führen mag, lobt Siegel, was eine Geschichte der Visualisierung alles zu erforschen und zu leisten imstande sei. Der Band sei vorzüglich aufbereitet und mit hervorragenden Farbreproduktionen ausgestattet. Fiore arbeitete mit einfachen geometrischen Grundformen, erklärt Siegel, aus denen sich erstaunlich komplexe Systeme zur Darstellung und Deutung der Welt entwickeln ließen. Der Rezensent hebt den Beitrag der Kunstwissenschaftler Steffen Bogen und Felix Thürlemann hervor, die eine besondere Qualität des Diagramms herausgearbeitet haben: ein Diagramm kann man nicht einfach nur betrachten wie ein Bild, noch so lesen wie ein Buch, meint Siegel, es zwingt zu "konzentriertem Hinsehen". Die typische Dualität von Bild und Text werde vom Diagramm unterlaufen, stellt Siegel fest.
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