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zuletzt aktualisiert 09.02.2012, 20.50 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Anna Kaleri

Es gibt diesen Mann

Erzählungen

Cover: Es gibt diesen Mann

Luchterhand Literaturverlag, München 2003
ISBN-10 3630871526
ISBN-13 9783630871523
Gebunden, 144 Seiten, 15,00 EUR

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Klappentext

Jede von Anna Kaleris Geschichten über Männer beginnt mit dem Satz: "Es gibt diesen Mann." Diese Feststellung ist wichtig, denn dieser Mann ist ein abgründiges Wunderwesen: "Er ist Katholik. Bis zu dieser Entdeckung war alles harmonisch." "Er redet treffsicher über das Ewig Weibliche, nur in Detailfragen gerät er mitunter ins Schwanken." "Er liebt es, inmitten von Menschenmillionen gefangen zu sein. Er fühlt sich in den stumpfsinnigen Gedärmen von Großstädten wohl." "Er lacht sich tot, wenn ich singe, denn fast alle Lieder, die ich kenne, handeln von Bäumen." "Er hat einen Vogel. Einen verdammt schwarzen." "Den Rosenverkäufer schickt er höflich und routiniert vom Tisch." Und was sagt die Frau in diesen Geschichten dazu: "Ich bin modern und erwarte von keinem Mann, für fünf Mark romantisch zu sein."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 07.07.2004

Dem Rezensenten Werner Jung gefällt das Erzähldebüt von Anna Kaleri, das ausschließlich aus Prosaminiaturen besteht. Die beziehen sich allesamt aus die Männergeschichten der Erzählerin und beginnen ganz lakonisch mit "Es gibt diesen Mann". Die Vielfalt der Geschichten, die sich trotz der thematischen "Fokussierung" ergibt, gefällt dem Rezensenten: "Mal gelungen-witzig, mal schnodderig, mal sehnsüchtig, dann wieder gewollt cool, dabei immer auf der Suche nach dem richtigen und dem geglückten Augenblick mit ihm, was natürlich niemals gelingen kann, aber Ansporn genug ist." Jung freut sich vor allem über die Beobachtungsgabe der Autorin und wünscht sich, dass sie sich in Zukunft auch anderen Themen und vor allem längeren Texten zuwendet.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 11.05.2004

"Es gibt diesen Mann" in rund sechzig Variationen, behauptet Martin Zingg, der von Anna Kaleris Debütband recht angetan ist. Dieser eine Mann in wechselnder Gestalt, mal mehr, mal weniger sympathisch, aber nie eine Persönlichkeit, auf die wirklich Verlass ist, versichert Zingg, sei eine Ausgeburt der Phantasie der Erzählerin, die, solange sie sich in Erzähllaune befindet, die Liebe für möglich hält, die, solange sie erzählt, die Liebe am Laufen hält. Das Schöne an diesen rund 60 Minigeschichten ist für Zingg, wie es Kaleri gelingt, "aller Erdenschwere zu entkommen" und dem "harten Boden der Wirklichkeit" weiche Landungen abzutrotzen. Dennoch kann auch Zingg gewisse Ermüdungserscheinungen nicht verhehlen, die vom serialen Erzählprinzip hervorgerufen würden; zwar gewinne Kaleri dieser Konstruktion immer wieder neue und überraschende Facetten ab, doch sei der Trick auf Dauer durchschaubar. Durchschaut hat auch Zingg am Ende, dass Kaleri eine weibliche Variante des Buchs von Peter Esterhazy "Eine Frau" geliefert hat, worin der ungarische Erzähler 97 Mal eben diesen Satzanfang benutzt haben soll. Ein ebenbürtiges Pendant sei "Es gibt diesen Mann" von Anna Kaleri - noch - nicht, meint Zingg, sieht aber ausreichend Potenzial dafür.

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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 24.01.2004

Fast jede der sechzig Episoden, so der Rezensent Jan Brandt, eröffnet Anna Kaleri mit den Worten "Es gibt diesen Mann". Darauf, so Brandt weiter, folge dann ein "Ausschnitt aus einer grotesken Parallelwelt", die sich um die Ich-Erzählerin entspinnt. Doch der Rezensent kann dem wenig abgewinnen. Für ihn ertönt aus Kaleris Erzählband ein "Brunftgesang", der in seiner Eindeutigkeit und Direktheit an einen "Waschbrettbauch" erinnert, und Männer- und Frauenfiguren meißelt, die aus "Hochglanzmagazinen" zu entspringen scheinen: "verzweifelte, ständig geile Singles". Und wie auch die Hochglanzmagazine glänzt Kaleris nicht gerade mit "originellen Ideen", sondern greift erstens zu "metaphorischen Klischees" und zweitens ganz tief in die vermeintliche Poesie-Kiste. Was dabei herauskomme, sei schlicht eine Stilblütenfibel, ein Makel, den auch die "blassen und banalen" Geschichten nicht ausgleichen können, wie der Rezensent ungnädig bemerkt.

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