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Wolfgang Kersting
Platons `Staat`
Klappentext
Diese erste vollständige Interpretation von Platons ?Staat? in deutscher Sprache bietet im Rahmen einer genauen Analyse der Argumente eine textgenaue Erschließung der platonischen Gedankenführung. Diese argumentationslogische Würdigung wird verknüpft mit einer Untersuchung der reichhaltigen literarischen Formelemente des ?Staats?. Um die systematische Eigentümlichkeit des platonischen Denkens und den philosophiegeschichtlichen Ort dieses Dialogs genauer bestimmen zu können, wird die Textinterpretation durch philosophiehistorische Vergleichsskizzen angereichert, in denen die platonischen Überzeugungen den Positionen anderer Denker, wie z.B. Machiavelli, Hobbes oder Kant, gegenübergestellt werden.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2000
Insgesamt verärgert äußert sich Christoph Quarch über diese Neuinterpretation des Grundwerkes abendländischer Philosophie. Ärgerlich hat ihn schon einmal gemacht, dass der Einband das Buch als "erste vollständige Interpretation von Platons "Staat" in deutscher Sprache" preist; die hat, so Quarch, Andreas Schuster 1995 vorgelegt. Kritischer noch geht er um mit der Nichteinlösung des vom Autor formulierten Anspruchs, aufmerksam "nicht nur dem philosophischen Inhalt, sondern auch seiner literarischen Form" nachzugehen. Und besonders ärgerlich wird er, wenn der Verfasser die platonsche Idee, dass "höchstes philosophisches Wissen theoretisch wie praktisch ist" nicht nachvollziehen will und ihm dadurch böse Schnitzer in seiner Interpretation unterlaufen, - besonders dann, wenn es um die Reflexionen zu Kunst und Dichtung sowie die "Idee des Guten" geht. Quarch kanzelt diese Interpretation als "hemmungslos anachronistisch" ab und nimmt dem Verfasser besonders übel, dass man "am Ende nicht mehr weiß, warum man das Werk überhaupt noch lesen sollte".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.05.2000
Arnim Adam bespricht das Buch zusammen mit "Platons ,Staat`" von Wolfgang Kersting (Wissenschaftliche Buchgesellschaft). Es wäre allerdings ratsam, vor dem Lesen der Rezension den Unterschied zwischen politischer und praktischer Philosophie im Philosophiewörterbuch zu eruieren. Denn SZ-Autor Armin Adam baut seinen Artikel auf diese zwei begriffliche Grundfpfeiler. Es geht um Platons "Politeia" - das "Gründungsdokument der Politischen Philosophie" und um den Kommentar der gesamten "Politeia", vorgelegt von dem Kieler Professor Wolfgang Kersting.
1) Wolfgang Kersting: "Platons `Staat`"
Der Rezensent scheint diesem Platonexegeten wohlgesonnen zu sein. Kersting habe "den Text durch alle "Windungen seiner Argumentation" begleitet, ohne sich von der metaphysischen Rezeptionsgeschichte Platons einschüchtern zu lassen. Der Kommentar überzeuge mit der Einsicht, dass die "Ideenlehre in der Politeia" "praktisch gelesen" werden müßte. Platons Text sei zwar in Zeiten "ethischer Orientierungslosigkeit" entstanden. Ob seine Verbindung von Politik und Ethik auch heute anwendbar wäre, sei zu bezweifeln. Statt strenge Wahrheitssysteme - mehr Zaudern und Ungewißheit - dies könnte ein Ausweg in der heutigen Desorientierungssituation sein.
2) Long/Sedley: "Die hellenistischen Philosophen"
In der "nachklassischen" Philosophie des "Hellenismus" seien die "unerschütterlichen" Denksysteme ins Extreme getrieben. Vielleicht sei dieses Sicherheitsbedürfnis eine Antwort auf die Erschütterungen der griechischen Welt durch Alexander dem Makedonier, so Rezensent Adam. Auf jeden Fall hätten nun die Engländer Long und Sedley in ihrem Sammelband ein neues, erhellendes Licht auf die hellenistische Periode geworfen. Gelobt werden deren interpretatorische Unbefangenheit und neue Einsichten.
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