Wie, wann und warum wurden weite Teile Europas protestantisch? Was bedeutete dies für die politischen Strukturen und die Weltsicht der Menschen? Die Autorin analysiert, wie Luther ab 1517 an der Reformuniversität im abgelegenen Wittenberg zum Propheten einer neuen, folgenreichen Wahrheit wurde.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2004
Ein "packender kulturgeschichtlicher Überblick" über Luther, die Reformation und ihre Hintergründe ist Ulinka Rublack hier gelungen, meint der "csc" zeichnende Rezensent. In vier Teilen stellt die Autorin Luther, seine Unterstützer und Gegner, den Calvinismus und abschließend den Protestantismus im Alltag dar, der im Vergleich zum Katholizismus im 16. und frühen 17. Jahrhundert wesentlich weniger rational war, als im Allgemeinen angenommen. Zudem liegt dem Rezensenten daran zu betonen, welch ein gutes Gespür für gesellschaftliche Umbrüche Ulinka Rublack an den Tag lege und wie überzeugend sie es verstehe, die Rolle des "Kommunikations- und Vernetzungstalents der Reformatoren" darzulegen, das maßgeblich zum Erfolg der Reformation beigetragen habe.
Klaus Harpprecht bespricht in einer Doppelrezension zwei Bücher zur Reformation. Die "luzide Studie" von Ulinka Rublack überzeugt ihn durch "Sorgfalt" und Zurückhaltung, wobei er erfreut feststellt, dass sie auch "unschuldigen" Lesern einen guten "Überblick" über diese Epoche bietet. Dabei bewegen sich die Ausführungen der in Cambridge lehrenden Tübingerin stets auf der Höhe ihrer Wissenschaft, betont der Rezensent angetan, der im selben Atemzug ihre "unverkrampfte und sensible Sprache" lobt. Dass sie ihren Lesern zudem keine "provokanten Thesen um die Ohren haut", die sie dann nicht belegen kann, nimmt Harpprecht zusätzlich für die Autorin ein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2004
Friedemann Voigt lobt die kulturwissenschaftliche Methode, mit der die in Cambridge lehrende Historikerin Ulinka Rublack die Reformation in Europa und ihre kulturellen Hintergründe darstellt. Besonders würdigt er ihren alternativen Ansatz, die von Wittenberg und Genf ausgehende Bewegung als ein zufälliges "Angebot auf dem Markt der Heterodoxie" zu betrachten, die ihren Erfolg der "Konstellation spezifischer Macht- und Selbstdarstellungspraktiken" verdankt. Der Rezensent findet die "alltagsgeschichtlichen Darlegungen" solange gelungen, wie sie nicht dazu dienen, religiöse Vorurteile zu bestätigen, vermisst jedoch die Einordnung der Untersuchung in einen größeren religionswissenschaftlichen Zusammenhang.
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