Bücherschau der Woche
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All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Klappentext
Es ist nun schon hundertvierzig Jahre her, dass der liebe Brehm sein "Illustrirtes Thierleben" vorgelegt hat. Die moderne Verhaltensforschung hat mit seinen anthropomorphen Kurzschlüssen gründlich aufgeräumt. Cord Riechelmann folgt weniger unserm Blick auf die Tiere als dem Blick der Tiere auf ihre Welt. Das ist nicht nur lehrreich, es kann auch äußerst amüsant sein. Aber wir lachen nicht über die Tiere; es wäre uns lieber, könnten die Tiere mit uns und über unsere Beobachtungen lachen. Als Versuchsgelände dient dem Autor der Berliner Zoo, ein Ambiente, das die Illusion der Unmittelbarkeit von vornherein ausschließt.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.12.2003
Ein paar Umwege über Vorläufer dieses Bestiariums macht der Rezensent (Kürzel upj.) und erwähnt den Dichter Franz Blei, der Benn oder Maupassant zoologisch einordnete, ebenso wie Brehms Tierleben. Das Satirische trete in diesem Buch aber durchaus zurück hinter das Zoologische, oder jedenfalls Faktische. So erfahre man nämlich dass der erste Flachlandgorilla im Berliner Zoo 1877 Frankfurter Würstchen und Berliner Weiße zu sich nahm. Ein wohl exemplarischer Eintrag in ein Buch, dem der Rezensent mit offenkundigem Wohlwollen gegenübersteht und das er resümiert wie folgt: "Ein Buch, das nicht nützlich, aber notwendig ist."
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.12.2003
Christian Geyer bedauert, nicht selbst so ein schönes Buch geschrieben zu haben. Ein Satz, wie ihn wohl nur ein Rezensent schreiben kann, der sich im Feuilletonistenzoo tummelt. Auch Cord Riechelmann gehört zur Branche, er hatte für die (mittlerweile eingestellten) Berliner Seiten der FAZ das Genre der Zookolumne zu entwickeln begonnen: Beobachtungen über das Alpenmurmeltier oder den Zwergpinguin, die er abwechselnd im Zoologischen Garten oder im Tierpark Friedrichsfelde besuchte. Auch rein äußerlich hält sich das Buch an sein Zoothema: der Einband sei "schön gefleckt nach Leopardenart", verrät Geyer. Er sieht zwei Stränge im "Bestiarium" zusammenkommen: einmal die literarische Tradition der Naturgeschichtsschreibung, die sich im Buch auch in den Abbildungen aus dem 18. Jahrhundert wiederfinde, meint Geyer; zum anderen die Erkenntnisse der modernen Verhaltensforschung, die für Riechelmann nicht bei Konrad Lorenz stehen geblieben seien, sondern sich eher an dem antireduktionistischen Ansatz des Leipziger Primatenforschers Michael Tomasello orientierten. Keine Putzigkeiten der Tiere würden beschrieben, sondern ihr Verhalten im Hinblick auf und im Vergleich mit den Menschen analysiert, was Geyer zu dem Satz veranlasst: "Ein Besuch im Zoo ist ein Besuch bei uns selbst". In jedem Fall wird sich der Rezensent auf schnellste Wege in den Zoo aufmachen, dem er nach eigenem Bekunden lange keinen Besuch abgestattet hat, wo er dann vielleicht auch einen Blick auf ein neues Gattungsexemplar werfen könnte: nämlich den Zookritiker.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.12.2003
Schön, dass es auch Zoo-Journalismus von der sensationslosen Sorte gibt, der sich nicht nur an sexverweigernden Panda-Weibchen aufkratzt, meint Rezensent Tim Bartels. Eben diese Sensationslosigkeit habe der studierte Verhaltensbiologe Cord Riechelmann in seiner "Bestiarium"-Kolumne (als die FAZ noch Berliner Seiten hatte) aufs Anregendste betrieben, und seine Beiträge erscheinen nun als Buch. Zwar gehe es hier alphabetisch zu, doch dies sei nur scheinbar trockene Wissensvermittlung, vielmehr flaniere der Leser, vom munter "feuilletonistischen Plauderton" getragen, durch das "Forschungsgehege der Soziobiologie und Ethologie" - und durch den Zoo. Genau und erheiternd beobachte Riechelmann, was sich sowohl in den Gehegen als auch zwischen Tieren und Zoobesuchern zutrage, und vergesse dabei nie, seinen Lesern die nötigen wissenschaftlichen Hintergründe zu vermitteln.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003
"What a beautiful book!" Hanns Zischler schließt sich - in leicht abgewandelter Form - dem Urteil Cord Riechelmanns über den Beo an, wenn er dieses Bestarium "der besonderen Art" beurteilt. Riechelmanns Spaziergänge für die Berliner Seiten der FAZ versprächen ein Klassiker zu werden, denn der Leser erfahre nicht nur eine Menge Erzählenswertes über die Tiere, sondern bekomme "unter der Hand" auch eine "fein dosierte Anthropologie" unseres menschlichen Blicks auf die Tiere mitgeliefert, unaufdringlich ergänzt durch neue Erkenntnisse aus der Verhaltens- oder Lernforschung. So "leidenschaftlich wie gelehrt" und klug noch dazu verschränke Riechelmann in jedem Stück auf engem Raum Beobachtung, Stimmungsfotografie und Zitat. Eine von vielen Konstruktionen, die dem Rezensenten besonders gefallen, ist etwa die "ganz mühelose" Assoziation der Bewegungslosigkeit des Graureihers mit einem kuriosen Stück Berliner Stadtgeschichte.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.11.2003
"Sprachlich Ikea", urteilt Ulrich Holbein über Cord Riechelmanns "Bestiarium. Der Zoo als Welt - die Welt als Zoo". Dafür findet er die Aufmachung ganz reizend: "Glanzpapier mit Exklusiv-Schleife" und "Lesebändchen", als Geschenk geeignet. Thematisch geht es, einem bewährten Ordnungsschema folgend, vom afrikanischen Elefanten bis zum Zwergflusspferd. Wer nicht wusste, aber wissen will, dass Seekühe "außer Anrempeln in Zeitlupe keine aggressiven Verhaltensmuster" kennen, wird es hier erfahren. Im Berliner Zoo entstand das Buch, das mag für manche auch ein Anreiz sein. Statt Riechelmann empfiehlt der Rezensent schließlich "Grizmek", der weit über "Thiervater Brehm" hinausgewachsen sei - er meint vermutlich Grzimek.
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