Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
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Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
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Klappentext
Der Kaufmann Martin Salander wird durch seinen Jugendfreund Louis Wohlwend zwei Mal um sein Vermögen gebracht. In Brasilien arbeitet er sich wieder hoch, während seine Frau zu Hause mit den Kindern darbt. Als gemachter Mann kehrt er zurück. Aber die Schweiz entspricht nicht mehr seinen jugendlichen Idealen. Politik und Wirtschaft drohen zu verludern. Die Töchter Netti und Setti heiraten Karrieristen, die als Betrüger im Zuchthaus landen. Salanders Leichtgläubigkeit und seine Schwäche gegenüber einer schönen fremden Frau lassen ihn dem wieder aufgetauchten Wohlwend beinahe ein drittes Mal ins Netz gehen. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft verkörpert zuletzt Arnold Salander, der Sohn.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.01.2004
Rolf Vollmann wundert sich über Gottfried Kellers trostlose Geschichte, deren Held nach sieben Jahren in Südamerika sein einstmals verlorenes Vermögen wiedererwirbt, daraufhin in die Schweiz zu seiner Familie zurückkehrt und erfährt, dass derselbe Mann ihn erneut um sein Geld gebracht hat. Keller schreibe "als sei er nicht mehr ganz Herr seiner Sinne oder schreibe für Irre oder über Irre", formuliert Vollmann und gibt uns viele Beispiele "sinn- und trostloser" Sätze. So erkennt Vollmann in Kellers Beschreibung einer Aussicht auf eine Stadt und eine Landschaft, "in der sie lag oder liegt", Irrsinn. Und als der Held die Kinder seinen blassen Sohn ärgern sieht, heiße es: "als dies Vergnügen wie alles hienieden, allmählich ein Ende erreicht". Der Rezensent fühlt sich, "als wäre man zwischen allen Zeiten ins Blickfeld tief Verwirrter geraten".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.12.2003
Altersromane sind keineswegs immer formvollendet, sondern häufiger "spröde", findet Andreas Bernard und verweist auf Goethes "Wanderjahre". Auch Adorno sei dieses Phänomen aufgefallen, behauptet er und zitiert den Literaturtheoretiker mit der These, es ginge kurz vor dem Tod nicht mehr um die Bewältigung der Stoffmassen, sondern um "die Präsentation ihrer schieren Materialität". Dieses lässt sich nach Meinung von Andreas Bernard auch von Gottfried Kellers letztem Roman "Martin Salander" behaupten, seines Erachtens ein herber, wenn nicht bitterer Text, der zu den interessantesten des Autors zählt. Für Bernard liegt das nicht nur am Sujet des Romans, der "fast holzschnittartig" die Korruption der bürgerlichen Schweizer Gesellschaft im vorletzten Jahrhundert schildert und die zunehmende Abstrahierung der Lebenszusammenhänge durch moderne Kommunikatonsmittel thematisiert; Bernard vermutet darüberhinaus eine dem Genre innewohnende Krise, der die kontinuierliche Abbildbarkeit der gesellschaftlichen Verhältnisse abhanden gekommen ist. Auch wenn Keller zu einem versöhnlichen Ende des "Martin Salander" gefunden hat, meint Bernard, sei der Roman nicht bloß ein Alterswerk des Autors, sondern einer ganzen Epoche.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2003
Der Rezensent Roman Bucheli zeigt sich berührt von diesem Buch, das seiner Meinung sehr "melancholisch" ist, aber keineswegs angefüllt mit Altersresignation, wie viele Rezensenten meinen. In Buchelis Augen geht es in dem 1886 erstmals erschienenen Buch um große Themen. Zum Beispiel darum, "dass jede neu gewonnene Freiheit bereits den Kern zu ihrer Perversion enthalte". Damit gelingt Gottfried Keller in den Augen des Rezensenten "eine Blaupause der Dialektik der Aufklärung". Bucheli verortet in dem Buch eine starke autobiografische Färbung. Keller hatte am Ende des vorletzten Jahrhunderts mit ähnlichen Problemen zu kämpfen wie sein Protagonist, auch er fand in neuen Freiheiten wieder neue Abhängigkeiten. Trotz dieser melancholischen Botschaft ist der Subtext nach Buchelis Meinung doch optimistisch: er handelt davon "dass der Mensch einerseits dem Fortschritt nie vollends gewachsen ist und dass dies anderseits noch lange kein Grund ist, nicht dennoch um jedes Stück Freiheit zu ringen". Der Rezensent ist froh darüber, dass es nicht mehr zu der vom Autor geplanten Neubearbeitung des Endes gekommen ist: "Dieses stille Glück am Schluss: Es ist das Unheimlichste an diesem Buch" - und wird in Buchelis Augen vermutlich erst heute richtig verstanden.
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Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen







