Während der zweiten Berlin-Krise (1958-1962) deutete Bundeskanzler Konrad Adenauer mehrfach streng vertraulich seine Bereitschaft an, die DDR unter bestimmten Umständen anzuerkennen. Dies hätte nicht weniger als den Bruch der offiziellen Bonner Deutschlandpolitik auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges in Europa bedeutet. In der Geschichtswissenschaft ist die Bewertung der Geheimkonzepte Adenauers wegen der dürftigen deutschen Quellenlage bis heute umstritten. Die vorliegende Studie wertet erstmals die neuerdings zugänglich gewordenen Akten der westlichen Diplomatie aus. Was wußten Briten, Amerikaner und Franzosen von Überlegungen und Initiativen wie der Österreich-Lösung, dem Globke-Plan, dem Burgfriedensangebot oder dem Stillhalteplan?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2003
Recht aufschlussreich findet Rezensent Günther Heydemann Volker Erhards "minutiös" recherchierte Untersuchung von Adenauers Geheimkonzepten zu einer zukünftigen Deutschlandpolitik. Aufgrund eines enormen außen- und innenpolitischen Druck wurden diese Geheimkonzepte zwischen Ende 1957 und Sommer 1963 entwickelt, um die Politik gegenüber der DDR und der Sowjetunion aus der Erstarrung zu lösen, berichtet Heydemann. Um verbesserte Rahmenbedingungen für eine Wiedervereinigung zu schaffen, sollte das Problem des geteilten Deutschlands durch Zugeständnisse an die SED-Führung für eine bestimmte Zeit eingefroren werden. Erhard könne allerdings nachweisen, dass die westlichen Verbündeten Adenauers nur eine sehr begrenzte Kenntnis dieser Geheimpläne erhielten - mit Ausnahme der USA, die jedoch kaum von den Konsequenzen der Pläne angetan waren.
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