Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Mit Urgewalt explodiert die Sprache, gleich einem Wortrausch bricht sich der Rhythmus seine Bahn und schafft neue Wirklichkeiten: Wie Fieberschübe komme das Schreiben von Gedichten ein, zwei Mal im Jahr über ihn, sagt Franzobel. Innerhalb kurzer Zeit entstehen dann ganze Zyklen, die zuerst auswuchern zu ungeheuren Gebilden und dann als "Sprachblumen" erblühen. Aus fünfzehn dieser, seit Anfang der neunziger Jahre geschaffenen Eruptionen hat Franzobel erstmals eine Auswahl getroffen.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2003
Thomas Poiss findet, dass Franzobel nicht nur durch seine Produktivität unter den Nachfolgern von Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek hervorsteche, sondern "zu Recht" sogar "heikle Kritiker" mitreiße. Wie auch dieser Band wieder zeige - der mit einem "gigabusigen Mona-Lisa-Remake von Otto Mühl" auf dem Schutzumschlag wirbt, wie man erfährt - müsse man dabei allerdings "eine kleine Kröte" schlucken: die "berechnende Mimikry" des Autors nämlich, der nicht nur wie die Werbung nach der Faustregel "sex sells" vorgehe, sondern nach der des "dirty sex sells", und die Sprache seiner "Vergnügungsgedichte" entsprechend mit "schicken Sekreten" und "Lustmordleichen" angereichert habe. "Das Verstörende an Franzobels Kunst" besteht für den Rezensenten dann auch in der "Richtungslosigkeit ihrer sprudelnden Fülle". Dennoch hat er sich "köstlich amüsiert. Köstlich." Etwa hierbei: "Blunzengröstl essen, Kistlbrunzen müssen, / Brunzengröstl essen, Blunzenkistl müssen, / Blunzen brunzen, Gröstlkistl essen müssen, / Blunzen brunzen, Kistl müssen Gröstl essen, / Blunzen essen, brunzen müssen, Köstl. Köstl."
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 09.12.2003
Keineswegs haben Franzobels in acht Zyklen verpackte "Vergnügungsgedichte" dem Rezensenten Paul Jandl das angekündigte Vergnügen beschert, nicht einmal zu dem der "Parodie" habe es gelangt. Das "lyrische Oeuvre" des österreichischen "Vielschreibers" streife zwar die "Nonsens-Traditionen" der Literatur, komme ihrem Witz aber nicht im geringsten nahe, versichert Jandl. Und wenn es einmal nicht heiter zugehe, werde eine es "hermetisch und dunkel liebende Gedankenschwere" nachgeahmt, die auch nicht zu Gefallen wusste. Gewiss, seinem literarischen Werk mag er eine "da und dort aufblitzende Originalität" nicht gänzlich absprechen, doch seine Versuche in der "Königsdisziplin der Selbstbeschränkung" seien schlichtweg missraten. Selbst die ach so "gerühmte sprachliche Musikalität" hat Jandl nirgends durchschimmern sehen, wie auch, wenn der Leser sich mit einer wahren Flut von "Four-Letter-Words und Konnotaten des Fäkalen" konfrontiert sieht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.11.2003
Der Rezensent Christoph Haas hat einen äußerst gemischten Eindruck von diesem Gedichtband. Manche der immerhin 144 Gedichte gefallen ihm richtig gut - da beeindruckt ihn das "überraschend zarte" - während er an anderen Stellen ziemlich befremdet und genervt vom poetischen Habitus des Dichters Franzobel ist. Zu unverständlich scheint ihm oftmals das Geschriebene. Nun ist das bei Lyrik anfangs oft so, das sieht auch der Rezensent so. Doch im Fall von Franzobel beklagt er eine Art von Unverständlichkeit, die keine Lust auf Enträtselung macht, weil man den Eindruck gewinnt, dass "die hermetische Ausdrucksweise als Freibrief verstanden wird, drauflos zu schreiben und vor keiner Schwurbeligkeit zurückzuschrecken". Vor diesem Hintergrund findet Haas die Stücke besser, in denen der Dichter andere nachahmt: "Er kann jandeln und schwittern und kalauern wie Morgenstern". Trotzdem ist das ja nicht Sinn der Übung und deshalb schließ der Rezensent: "Etwas weniger spätavantgardistisches Gebolze und Geniegehabe, etwas mehr Kühle und Klarheit - und die Lektüre von "Luna Park" wäre wesentlich erfreulicher".
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