Herausgegeben von Maurizio Ghelardi und Susanne Müller. Jacob Burckhardts Vorliebe, durch das unmittelbare, lebendige Wort zu wirken, verdanken wir einen reichen Nachlass an Vortragsmanuskripten. Deren Bandbreite reicht von literarischen über geschichtliche bis zu kunstgeschichtlichen Themen: von Homer über Thomas Morus bis Schiller, von Demetrios Poliorketes bis Napoleon, vom Gang durch das vaticanische Museum bis zur Besichtigung altdeutscher Bilder. Die Vorträge gehören zum Kostbarsten, was sich von Burckhardts Werken erhalten hat. Seine Reflexionen und Betrachtungen zeigen einen eigenständigen Zugang zu Kunst und Kultur und gelten bis heute als Fundgrube für kulturwissenschaftliche Erkenntnisse. Sein Blick für das Wesentliche und die Schärfe seines Urteils machen die Vorträge zu einer höchst anregenden Lektüre. Die vorliegende Ausgabe folgt dem Text der Handschriften und dokumentiert erstmals alle überlieferten Vorträge aus den Jahren 1870 bis 1892.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003
Jürgen Busche findet, dieser jüngste Band der "Kritischen Gesamtausgabe" der Werke Jacob Burckhardts zeige oft wie beiläufig, "worin der eigensinnige Historiker bedeutend gewirkt hat". Der Band gibt, wie man erfährt, zumeist nur das Konzept verschiedener Vorträge Burckhardts in Stichworten wieder. Für Busche offenbart sich jedoch gerade in diesen Notizen, dass das Geheimnis des Basler Professors in Klarheit, bündiger Formulierung und dem Willen dazu zu suchen sei, dass alles "möglichst genau so benannt und beschrieben wird, wie es ist." Besonders hebt der Rezensent außerdem hervor, dass niemand, der es gelesen habe, vergessen werde, was Burkhardt in einem der Vorträge über Talleyrand sage - und "für leidenschaftliche Leser" sei natürlich ohnehin jede Begegnung mit Jacob Burckhardt eine Freude.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.11.2003
Hanno Helbling liefert einen sachlichen Bericht zum Erscheinen des dreizehnten Bandes der kritischen Gesamtausgabe Jacob Burckhardts, in dem die zweite Hälfte der öffentlichen Vorträge Burckhardts Eingang gefunden hat. Genau setzt uns Helbling auseinander, dass neunmal antike Themen abgehandelt werden, elf Vorträge sich mit europäischer Geschichte befassen, vier der Literatur gelten und weitere einundzwanzig der Bildenden Kunst gewidmet sind - alles einmalige Vorträge vor "gemischtem Publikum". Solche Vorträge vor einer ausgewählten und sicher hochgebildeten Laienhörerschaft waren Pflicht für den Basler Dozenten, informiert Helbling. Allerdings wüsste man kaum, setzt er hinzu, ob Burkhardt die Vorträge tatsächlich so gehalten habe, da er zu improvisieren und frei zu sprechen beliebte. Dennoch sei hiermit erstmals, betont Helbling, der genaue Textbestand der erhaltenen Vortragsmanuskripte veröffentlicht. Helbling vergleicht den Textbestand mit Notenmaterial, aus dem der Kundige bei genauerem Studium auch Musik zaubern könnte. Die textkritischen Anmerkungen und vorzüglichen Kommentare der Herausgeber trügen hierzu ihren Teil dazu bei, so Helbling.
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