Katja Oskamp

Halbschwimmer

Cover: Halbschwimmer
Ammann Verlag, Zürich 2003
ISBN 9783250600589
Gebunden, 187 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Als einzige Tochter eines hohen NVA-Offiziers und einer Schuldirektorin hätte Tanja die besten Voraussetzungen dazu, ein Musterprodukt der DDR-Gesellschaft zu werden. Aber Tanja hat ganz anderes im Sinn: Tanja sucht die Liebe. und so nutzt sie jede Gelegenheit, das sozialistische Bilderbuchleben gegen andere, aufregendere Erfahrungen einzutauschen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 21.01.2004

Für ein "vielversprechendes Debüt" hält Jan Wagner die Prosasammlung der in Leipzig geborenen und in Berlin lebenden Katja Oskamp, deren um Kindheit, Geborgenheit, Heimat und Abschied kreisenden Texte insgesamt weniger auf Handlung als auf Atmosphäre zielten, wobei Oskamp ein stimmiges Bild entwirft: "Nicht nur eine Adoleszenz, eine ganze Ära des Niedergangs und des Neuanfangs wird besichtigt". Wagner empfindet Oskamps Erzählungen als angenehm "sparsam akzentuiert" und lobt "eine ganze Reihe geschliffener Sentenzen". Ein kleines Manko bildet in seinen Augen allerdings die häufige Erwähnung von DDR-Markennamen, "allzu gewollt und überdeutlich als Reizwörter" zu erkennen, die Oskamps Prosa "nicht nötig" habe.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2004

Sibylle Birrer ist begeistert von diesem Debüt. Auch wenn es in den letzten Jahren viele gute, biografisch eingefärbte Bücher junger Autorinnen gab - diese Veröffentlichung sticht ihrer Meinung nach doch hervor. Oskamp erzähle vom Aufwachsen in der DDR und von ihrer ersten Liebe, ohne dass daraus "Erinnerungsprosa" oder "Ostalgie" werde. Besonders beeindruckt ist Birrer vom leichten Erzählton der Autorin: "Lapidar bis salopp trollen sich eingangs die Sätze und fügen sich unversehens zu anrührenden Beschreibungen der Gefühlswelt aus dem Niemandsland zwischen Kindsein und Erwachsenwerden". Dabei sind ihre präzisen Beschreibungen ebenso gelungen wie ihre Aussparungen, lobt Birrer. Auch inhaltlich gefällt das Buch unserer Rezensentin. Die neun eigenständigen Texte präsentierten sich weder als zusammenhängender Roman noch als "eklektischer Erzählband". Vielmehr fügen sie sich "mit ihren Vor- und Rückbezügen zu einer Entwicklungsgeschichte, hinter der zugleich eine Sitten-Miniatur der deutsch-deutschen achtziger und neunziger Jahre aufscheint", lobt Birrer.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.11.2003

Verena Auffermann lobt in warmen Tönen das Erzähldebüt von Katja Oskamp, die zunächst als Dramaturgin am Volkstheater Rostock arbeitete und dann am Leipziger Literaturinstitut an Katja Lange-Müller geriet, die sie zum Schreiben anleitete und ermutigte. Mit fabelhaftem Resultat, meint Auffermann: Neun Erzählungen enthält der Band, die hintereinander gelesen einen vollen Roman ergeben. Es geht um ein Mädchen namens Tanja, das in der DDR aufwächst und im Laufe der Geschichten erwachsen wird. Die Politik bleibt stets im Hintergrund, aber sie dominiert alles, schreibt Auffermann beeindruckt von den genauen Beobachtungen der Autorin. Bei Oskamp sei kein Warenhauskatalog nötig, um echte DDR-Stimmung zu erzeugen, schwärmt sie: "ein paar signifikante Momente und das ganze vermiefte Milieu leuchtet". Ein repressives Milieu vor allem, das Oskamp zwar "mit Wut im Bauch", aber leichthändig und klar beschreibe. Was im übrigen ein "Halbschwimmer" ist, erklärt uns Auffermann en passant: ein Schwimmabzeichen, das man in der DDR vor dem "Vollschwimmer" ablegte. Oskamp jedenfalls kann sich von der Woge der Begeisterung der Rezensentin tragen lassen.
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