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zuletzt aktualisiert 08.02.2012, 16.40 Uhr

Bücherschau der Woche

Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Aus dem Archiv

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Henri-Frederic Amiel

Tag für Tag

Intime Aufzeichnungen

Cover: Tag für Tag

Pendo Verlag, Zürich 2003
ISBN-10 3858425559
ISBN-13 9783858425553
Gebunden, 309 Seiten, 24,90 EUR

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Klappentext

Ausgewählt von Leo Tolstoi; herausgegeben und mit einem Nachwort von Felix Philipp Ingold. Aus dem Französischen von Eleonore Frey. Nietzsche, Hofmannsthal und viele andere haben das Tagebuch von Henri-Frederic Amiel gelesen, bewundert und diskutiert. Erst nach dem Tod des Genfer Philosophieprofessors sind Auszüge aus dem fast 17000 Seiten umfassenden und über 30 Jahre geführten Tagebuch publiziert worden. Es ist das Zeugnis einer bewegten Epoche und ihres Zeitgeistes. Und es ist eines der wichtigsten Werke der europäischen Literatur. Tolstoi war so begeistert, dass er eine Auswahl getroffen und sie auf russisch herausgebracht hat, übersetzt von seiner Tochter.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.12.2003

"Unerhört" nennt Lothar Müller die Auswahl aus den Tagebüchern von Henri-Frederic Amiel, zum einen wegen ihrer erstmaligen Übertragung ins Deutsche, zum anderen wegen ihrer Einmaligkeit. Amiel wurde durch die postume Veröffentlichung seines riesenhaften Tagebuches zu einer der "sonderbarsten Gestalten" des 19. Jahrhunderts, schreibt Müller, der dem Genfer Professor für Philosophie ansonsten ein langweiliges Leben unterstellt. Unter diesem ereignislosen Dasein erstrecke sich wie ein "riesiger Fuchsbau" das Tagebuch, in dem Moral, Geist, Christentum mit den Gespenstern des Nihilismus und Satanismus um die Vorherrschaft kämpfen. Mit den täglichen Aufzeichnungen wollte Amiel seiner schleichenden Selbstauflösung etwas entgegensetzen, vermutet Müller. Interessant findet er, dass der Band zwar der Auswahl Leo Tolstois folgt, von ihm nur teilweise aufgenommene Stellen aber vollständig druckt, so dass die Streichungen, die Tolstoi vorgenommen hatte, sichtbar werden. Und auch das "erhellende" Nachwort kann den positiven Gesamteindruck Müllers nur weiter verbessern.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.10.2003

Dieses Buch hat es Hanno Helbling ganz und gar angetan. Die Passagen aus Henri-Frederic Amiels Tagebuch, die von Leo Tolstoi ausgewählt und 1894 in russischer Übersetzung publiziert worden sind, sind jetzt in deutschen Fassung greifbar, freut sich der Rezensent. Dabei preist er als besonderes Verdienst des Herausgebers Felix Philipp Ingold, dass er in dieser Ausgabe die "Eingriffe" sichtbar macht, die Tolstoi am Originaltext vorgenommen hat. Denn der Herausgeber hat dort, wo Tolstoi gekürzt und weggelassen hat, das Fehlende ergänzt und kenntlich gemacht, so Helbling zustimmend. Auch die Übersetzung aus dem Französischen, die der deutschen Ausgabe hauptsächlich zugrunde gelegt wurde, gefällt ihm wegen ihrer "ruhigen Klarheit", und so bejubelt der Rezensenten das "schöne" Buch als einen "wirklichen Fund".

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003

Wir erfahren, erläutert Dieter Hildebrandt, in diesem "schönen" Band nicht nur etwas über den Genfer Philosophieprofessor und Schöngeist Henri-Frederic Amiel, sondern auch, anhand der hier beibehaltenen Auswahl, viel über ihren einstmaligen Herausgeber Leo Tolstoi. Der, weiß Hildebrandt, hatte 1894 - Amiel war da bereits tot - gerade beschlossen, selber nichts mehr zu schreiben und entdeckte in Amiel einen seiner Säulenheiligen. Einer, der sich gerade zurückzieht, findet zu einem, der "nie im Leben aus sich herausgegangen war"? Paradox, meint Hildebrandt, der Tolstois unbedingte Begeisterung für die penibel geführten Aufzeichnungen des einsamen Pflichtmenschen Amiel zwar nicht ganz nachvollziehen kann, der aber zugesteht: "Immerhin gelingen ihm aus der Position dessen, der vor sich selbst zum kritisch beäugten Außenseiter wird, Zeitdiagnosen, die auch noch nach hundert Jahren Aktualität besitzen (...); in manchem erinnert er dann an die Verve eines Karl Kraus."

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