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zuletzt aktualisiert 18.03.2010, 14.54 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Rudolf Borchardt

Anabasis

Aufzeichnungen, Dokumente, Erinnerungen 1943-1945

Cover: Anabasis

Carl Hanser Verlag, München 2003
ISBN-10 3446203850
ISBN-13 9783446203853
Gebunden, 352 Seiten, 27,90 EUR

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Klappentext

Herausgegeben von Cornelius Borchardt in Verbindung mit dem Rudolf-Borchardt-Archiv. Rudolf Borchardts bisher unveröffentlichter autobiografischer Bericht über Zerstörung, Deportation und Verzweiflung - von der Gefangennahme der Familie in einem italienischen Weinberg bis zur überraschenden Freilassung nahe Innsbruck. Eine detaillierte Lebenschronik der letzten Kriegsjahre mit zahlreichen Abbildungen, ergänzt durch Tagebuchaufzeichnungen und Augenzeugenberichten von Borchardts Kindern.

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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 29.04.2004

Nachdem Rolf Vollmann ausführlich und sehr schön die Geschichte der antiken Anabasis nacherzählt hat, voller Respekt für den Autor Xenophon, ist schon fast klar, dass er Rudolf Borchardts freche Aneignung des Titels für eine Anmaßung hält. Gewiss, die Situation war schwierig genug, Borchardt führte, so sah er das, im Jahr 1944 seine Familie aus den noch anhaltenden Kriegswirren wie Xenophon einst sein riesiges Heer aus den seinen. Das, so nun Rolf Vollmann, ist in seiner Verblendung schon ein sehr typischer Zug für den Autor, der sich für eine antike Größe zu halten beliebte und doch eher ein großer "Kindskopf" mit der selten wirklich glücklichen Vorliebe für gestelzte Ausdrucksweisen und "leidenschaftliche Wortgewölle" gewesen sei. Nicht dass Vollmann ihn für uninteressant hielte, nur glaubt er ihm nicht. Viel eher schon den der Ausgabe beigegebenen Notaten der Mitlebenden, in deren Beschreibung die Umstände in einem sehr anderen Licht erscheinen. Rudolf Borchardt war, im Grunde, resümiert Vollmann, ein tragikomischer Fall. Aber doch auch, das zeigt bei allem Selbstmitleid auch seine "Anabasis", nicht ganz ohne Tragik.

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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.01.2004

Ein ebenso beeindruckendes wie bedrückendes Zeitgemälde sieht Rezensent Hans Albrecht Koch in den "Anabasis"-Aufzeichnungen des Altphilologen und Dichters Rudolf Borchardt. Geradezu dankbar nimmt Koch diese Edition auf, gehört Borchardt doch zu jenen deutschsprachigen Autoren, deren Bedeutung erst spät entdeckt wurde. Auch weiß Koch von einer Fülle an Fehlern und unhaltbaren Anordnungen in der Werkausgabe zu berichten. Die vorliegenden Aufzeichnungen nun umfassen die letzten beiden Lebensjahre des Autors - der jüdischer Herkunft, doch Protestant und Preuße aus Überzeugung war - und werden von Tagebuchaufzeichnungen der Tochter Corona, den Erinnerungen seines Sohnes Cornelius, einem Stellenkommentar der Herausgeber und einer detaillierten Chronik ergänzt, wie der Rezensent lobt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2003

In Rudolf Borchardts letzten Lebenswochen, in denen die vorliegenden, Fragment gebliebenen Aufzeichnungen entstanden, sieht Rezensent Patrick Bahners sich dessen Leben und Werk gespenstisch zusammenschließen. Die Schilderung seiner Leseeindrücke von den "Anabasis"-Aufzeichnungen klingen nach einer Mischung aus Bewunderung, Ironie und Mitleid für einen wie aus der Zeit Gefallenen. Die zweiundzwanzig doppelseitig beschriebenen Manuskriptblätter ergeben Bahners zufolge fünfundsiebzig Druckseiten. Borchardts Leben sieht er auf dessen letzten Seiten Revue passieren und dabei auch die letzte Station dieses Lebens, die Villa Poggio al Debbio samt Hausherrin Estella Castoldi beschrieben (die, lesen wir, der Autor selbst als "Halbengländerin" und "fanatische Faschistin" charakterisiert habe, wogegen Borchardt-Herausgeber und -Sohn Cornelius Borchardt sie für die "Retterin" seines Vaters hält). Cornelius Borchardts Bericht, sowie eine von Gerhard Schuster mit "äußerster Akribie" erstellte Chronik bilden für den Rezensenten interessante Ergänzungen zu dieser Literaturwerdung von Leben. Auch ist Estella Castoldi, die er in den Aufzeichnungen als "Frau N." bezeichnet fand, für ihn eine weltliterarische Figur.

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