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Leonardo Sciascia
Das Verschwinden des Ettore Majorana
Klappentext
Aus dem Italienischen von Ruth Wright und Ingeborg Brandt. 1932, sechs Monate vor Heisenberg, trug der fünfundzwanzigjährige Ettore Majorana den Kollegen vom Physikalischen Institut der römischen Universität - darunter Enrico Fermi - seine Theorie vom Atomkern vor. Er weigerte sich, sie zu veröffentlichen. Die spätere Veröffentlichung Werner Heisenbergs kommentierte er mit den Worten, dass damit alles zu diesem Thema gesagt sei und 'wahrscheinlich schon zuviel'. Diesem Erschrecken, dem Schauder vor der eigenen Entdeckung, widmet Sciascia ein Buch: die Geschichte eines Genies und seines rätselhaften Verschwindens.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2004
Das spurlose Verschwinden, im Jahr 1938, des italienischen Teilchenphysikers Ettore Majorana, ist bis heute ungeklärt, so der mit "rtr" zeichnende Rezensent. Besonders interessant allerdings werde der Fall, wenn man bedenke, dass Majorana scheinbar der Kernspaltung (und damit der Atombombe) auf der Spur war, und aufgrund der Tragweite seiner Entdeckung beschlossen habe, sich aus der Forschung zurückzuziehen. Leonardo Sciascia habe es sich zur Aufgabe gemacht, alles zusammenzutragen, was der Fall an "Dokumenten, Zeugenaussagen und Mutmaßungen" hergebe. Dieses Material nutze Sciascia gekonnt, um eine Art "Genese von Majoranas psychischer Disposition als frühreifes Genie" nachzuzeichnen. Die große Stärke des Buches liege auf Sciscias "ureigenem Terrain", nämlich da, wo es um "Verschleierung und 'das Räderwerk der Justiz' geht, wo Verantwortung und Schuld sich im Unbestimmten, Unscharfen verlieren". Und gerade das mache ihn zum "typischen" Sciascia.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Alle paar Jahre mal wird dieses bereits 1978 erschienene Buch des sizilianischen Autors Leonardo Sciascia neu herausgegeben, weiß Kristina Maidt-Zinke und bescheinigt der Neuausgabe des Wagenbach-Verlages dank eines Foto-Teils und der Handschriften-Faksimiles eine hinzugewonnene "dokumentarische Anschaulichkeit". Einen Thriller sollte man nicht erwarten, klärt Maidt-Zinke auf, auch wenn "Das Verschwinden des Ettore Majorana" einen kriminalistischen Hintergrund vermuten lasse. Denn Majorana, wie Sciascia Sizilianer, war nicht etwa ein italienischer Meisterkoch, sondern ein Physiker, der wirklich gelebt hat. Er verschwand im September 1938 spurlos, und bis heute weiß man nicht, ob er seinen erst angekündigten und dann widerrufenen Selbstmord tatsächlichen begangen hat oder nicht. Majorana hat noch vor Heisenberg bahnbrechende Entdeckungen in der Kerntheorie gemacht, aber nicht veröffentlicht, erzählt unsere Rezensentin. Vieles spreche dafür, dass den Physiker dunkle Vorahnungen über die furchtbaren Konsequenzen seiner Entdeckung beschlichen hätten. Sciascia hat in seinem Buch Fakten und Vermutungen, Verschwörungstheorien und geschichtliche Hintergründe, literarische Bezüge und eigene moralische Erwägungen in einer eigenwilligen aber interessanten Mischung zusammengebracht, so die Rezensentin.
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