Perlentaucher - Das Kulturmagazin

Anmelden | RSS | Newsletter

zuletzt aktualisiert 09.02.2010, 16.23 Uhr

Bücher der Saison

Eine Auswahl der interessantesten, umstrittensten und meist besprochenen Bücher der Saison.

Literaturbeilagen

All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.

Links

Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.

Leonardo Sciascia

Das Verschwinden des Ettore Majorana

Cover: Das Verschwinden des Ettore Majorana

Klaus Wagenbach Verlag, Berlin 2003
ISBN-10 3803112184
ISBN-13 9783803112187
Gebunden, 96 Seiten, 12,90 EUR

Bestellen bei Buecher.de

Klappentext

Aus dem Italienischen von Ruth Wright und Ingeborg Brandt. 1932, sechs Monate vor Heisenberg, trug der fünfundzwanzigjährige Ettore Majorana den Kollegen vom Physikalischen Institut der römischen Universität - darunter Enrico Fermi - seine Theorie vom Atomkern vor. Er weigerte sich, sie zu veröffentlichen. Die spätere Veröffentlichung Werner Heisenbergs kommentierte er mit den Worten, dass damit alles zu diesem Thema gesagt sei und 'wahrscheinlich schon zuviel'. Diesem Erschrecken, dem Schauder vor der eigenen Entdeckung, widmet Sciascia ein Buch: die Geschichte eines Genies und seines rätselhaften Verschwindens.

Möchten Sie dieses Buch kommentieren?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.08.2004

Das spurlose Verschwinden, im Jahr 1938, des italienischen Teilchenphysikers Ettore Majorana, ist bis heute ungeklärt, so der mit "rtr" zeichnende Rezensent. Besonders interessant allerdings werde der Fall, wenn man bedenke, dass Majorana scheinbar der Kernspaltung (und damit der Atombombe) auf der Spur war, und aufgrund der Tragweite seiner Entdeckung beschlossen habe, sich aus der Forschung zurückzuziehen. Leonardo Sciascia habe es sich zur Aufgabe gemacht, alles zusammenzutragen, was der Fall an "Dokumenten, Zeugenaussagen und Mutmaßungen" hergebe. Dieses Material nutze Sciascia gekonnt, um eine Art "Genese von Majoranas psychischer Disposition als frühreifes Genie" nachzuzeichnen. Die große Stärke des Buches liege auf Sciscias "ureigenem Terrain", nämlich da, wo es um "Verschleierung und 'das Räderwerk der Justiz' geht, wo Verantwortung und Schuld sich im Unbestimmten, Unscharfen verlieren". Und gerade das mache ihn zum "typischen" Sciascia.

Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003

Alle paar Jahre mal wird dieses bereits 1978 erschienene Buch des sizilianischen Autors Leonardo Sciascia neu herausgegeben, weiß Kristina Maidt-Zinke und bescheinigt der Neuausgabe des Wagenbach-Verlages dank eines Foto-Teils und der Handschriften-Faksimiles eine hinzugewonnene "dokumentarische Anschaulichkeit". Einen Thriller sollte man nicht erwarten, klärt Maidt-Zinke auf, auch wenn "Das Verschwinden des Ettore Majorana" einen kriminalistischen Hintergrund vermuten lasse. Denn Majorana, wie Sciascia Sizilianer, war nicht etwa ein italienischer Meisterkoch, sondern ein Physiker, der wirklich gelebt hat. Er verschwand im September 1938 spurlos, und bis heute weiß man nicht, ob er seinen erst angekündigten und dann widerrufenen Selbstmord tatsächlichen begangen hat oder nicht. Majorana hat noch vor Heisenberg bahnbrechende Entdeckungen in der Kerntheorie gemacht, aber nicht veröffentlicht, erzählt unsere Rezensentin. Vieles spreche dafür, dass den Physiker dunkle Vorahnungen über die furchtbaren Konsequenzen seiner Entdeckung beschlichen hätten. Sciascia hat in seinem Buch Fakten und Vermutungen, Verschwörungstheorien und geschichtliche Hintergründe, literarische Bezüge und eigene moralische Erwägungen in einer eigenwilligen aber interessanten Mischung zusammengebracht, so die Rezensentin.

Lesen Sie den Originalartikel bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks

Mehr Bücher aus dem Themengebiet

Bücher von Lesern empfohlen

Buch: Havanna im SpiegelAlma Guillermoprieto: Havanna im Spiegel
Aus dem Spanischen und Englischen von Matthias Wolf. 1970 verließ die junge Mexikanerin Alma Guillermoprieto ...

Buch: Klar bin ich eine Ost-Frau!Martina Rellin: Klar bin ich eine Ost-Frau!
Martina Rellin hat sich mit Frauen aus dem Osten darüber unterhalten, was sie wirklich bewegt, wie sie ihr ...

Archiv: Bücherschauen

Das Gegenglück, der Geist

09.02.2010: Großer Bahnhof für J.M. Coetzee: Zu seinem Siebzigsten preisen FAZ, FR, NZZ und SZ den neuen autobiografischen Roman "Sommer des Lebens" als "grandios", "raffiniert" und "wahrste, kühnste und unterhaltsamste Literatur". Sehr lieb ist der NZZ die Anti-Hysterie von Arno Geigers Eheroman "Alles über Sally". Die taz feiert Amir Hassan Cheheltans großartigen Roman "Teheran Revolutionsstraße". Mehr lesen

Archiv: Vorgeblättert

Christopher Isherwood: Löwen und Schatten

08.02.2010: Großartig erzählt Christopher Isherwood in "Löwen und Schatten" von seiner Schul- und Studienzeit in London und Cambridge in den zwanziger Jahren, von seinen ersten Schreibversuchen und seinen ersten Freunden und Liebhabern. Hier eine Leseprobe. Mehr lesen

Miljenko Jergovic: Freelander

01.02.2010: Karlo Adum heißt der Held in Miljenko Jergovics neuem Roman "Freelander". Er ist ein pensionierter Lehrer und begibt sich eher widerwillig auf eine Irrfahrt durch Kroatien nach Bosnien und Herzegowina. Zu einer Testamentseröffnung. Lesen Sie hier einen Auszug.
Mehr lesen

Alain Mabanckou: Black Bazar

25.01.2010: Alain Mabanckou erzählt in seinem Roman "Black Bazar" sehr selbstironisch von den Träumen afrikanischer Männer, die in Paris ihr Glück suchen. Und hin und wieder auch einen Rückschlag verschmerzen müssen. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen

Archiv: Buchautoren