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Klappentext
Drei sehr unterschiedliche Stationen prägten den Lebensweg Wilhelms von Ockham, der nach wie vor als einer der faszinierendsten Denker des Mittelalters gilt: seine Lehrtätigkeit als Theologe in Oxford, der Häresieprozess am päpstlichen Hof in Avignon und, nach seiner Flucht in das Franziskanerkloster München, seine fast zwanzigjährige Stellung als Berater Kaiser Ludwigs des Bayern. Volker Leppin erschließt Ockhams Biografie, indem er sie aus der inneren Entwicklung seiner theologischen, philosophischen und politischen Schriften rekonstruiert. Zugleich bettet er den Theoretiker Ockham stets in die ihn bestimmenden sozialen und politischen Zusammenhänge - Universität, Kurie und Kaiserhof - ein.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.12.2003
William von Ockhams Nachleben in der Geistesgeschichte, erfahren wir von Rezensent Martin Lhotzky, hängt nach Ansicht von Volker Leppin nicht zuletzt mit einigen Missverständnissen über die Schriften des Franziskaners zusammen. Solche Missverständnisse auszuräumen, schickt der Autor - seit 1999 Leiter der Ockham-Forschungsstelle, wie der Leser erfährt, und "sicher einer der besten Kenner von Ockhams Werken" - sich in diesem Buch an, berichtet Lhotzky. Dabei betrachtet Leppin von Ockhams Werk vor allem von "der einleuchtenden Annahme" her, dass Ockham "als Theologe dachte und schrieb". Dies führt den Autor dann etwa zu dem Schluss, wie Lhotzky berichtet, dass man bei der in seinem "Dialogus" vermeintlich auffindbaren Forderung nach einer grundsätzlichen Trennung von Kirche und Staat zu berücksichtigen hätte, dass Ockham hier nur in einer konkreten Auseinandersetzung Partei ergriff. Lhotzky lobt, dass Leppin bei all dem über die Gabe verfüge, komplexe und "bisweilen fast nur für Philosophen oder Theologen plausible Gedankengebilde" in eine "allgemein verständliche Sprache zu übersetzen." Auch wenn der Rezensent bemängelt, dass Leppin in der politischen und der Mentalitätsgeschichte jener Zeit nicht gleichermaßen "sattelfest" erscheint wie in der Kirchengeschichte, so stellt dieses Buch für ihn dennoch einen "überaus gewichtigen Beitrag zur Geistesgeschichte des vierzehnten Jahrhunderts" dar.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.09.2003
Biografien über mittelalterliche Menschen bieten nach Ansicht von Rezensent Michael Borgolte oft nicht mehr als die Neuordnung eines schon bekannten historischen Stoffes auf der Grundlage neuester Spezialforschung, nur wenige stellten die Frage nach dem Individuum im Mittelalter. Im Fall Wilhelms von Ockham, des Franziskanermönchs, Philosophen, Theologen und politischen Autors des 14. Jahrhunderts, ließe sich dies wegen der geringen Zahl an Selbst- und Fremdzeugnisse auch kaum realisieren, hält Borgolte fest. Als "mutigen Schritt" würdigt er daher Volker Leppins Methode, die Lebensstationen und das wechselnde Umfeld Ockhams mit dessen Arbeiten so zu korrelieren, "dass nicht nur die Verschiebungen der thematischen Schwerpunkte, sondern auch die Abbrüche und Umbrüche im Denkprozess sichtbar werden". Anders als Thomas von Aquin habe Ockham nicht mehr versucht, Harmonie zwischen philosophischen und theologischen Aussagen herzustellen, Metaphysik interessierte ihn kaum. Seine scharfsinnige Widerlegung von Thomas' Gottesbeweis bewerte Leppin als bloße "Fingerübung" des damals 30-jährigen Franziskaners. Borgolte hebt hervor, dass es Leppin gelingt, für manche Stelle des umfangreichen Werkes die "lebensweltlich bedingte Akzentsetzungen" Ockhams zu verdeutlichen. Dass die Kontinuität seines Denkens auf eine Persönlichkeit schließen lasse, die sich konsistent entwickelte, wie Leppin meint, hält Borgolte allerdings für nicht haltbar.
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