Deutschland ist auf besondere Weise mit dem Holocaust konfrontiert: Er steht bei allen Debatten über moderne Erscheinungsformen des Rechtsextremismus im Hintergrund und droht so die historische Eigenart der gegenwärtigen Phänomene zu verdecken. Denn wenn es so etwas wie ein "typisch deutsches Vorurteil" überhaupt gibt, dann jenes, dass jede Form von Rechtsextremismus das historische Vorbild des Nationalsozialismus nachahmen muss. Mathias Brodkorb spürt mit seinem "Einspruch" diesem Missverständnis nach, indem er die wichtigsten Erkenntnisse der europäischen Neorassismus-Forschung für eine Analyse von Auftreten und Ideologie der NPD fruchtbar macht. Dabei kommt er zu dem Ergebnis, dass das Verfahren zum Verbot der NPD zu nicht unerheblichen Teilen auf völlig falschen Grundlagen basiert. Darüber hinaus bietet er eine allgemeine Einführung in Strategie, Struktur, Auftreten und Ideologie des modernen Rechtsextremismus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2003
Der Rezensent Manfred Funke ist von dem Buch von Martin Brodkorb nicht überzeugt. Zunächst einmal zweifelt er überhaupt die Wissenschaftlichkeit der ganzen Arbeit des "jungen Mannes" an, wie Funke mokant schreibt. Und mit der These, dass der Kern des Rechtsextremismus der Rassismus und dieser insbesondere in seiner neuesten Metamorphose als Ethnopluralismus zum Ausdruck komme, ist er überhaupt nicht einverstanden. Im übrigen nutzt Funke seine kurze Besprechung für alle möglichen Hiebe gegen die Antifa, die Sozialdemokraten, Gustav Heinemann und die ganze "heutige Allerweltshatz gegen Rechts".
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