Seit ihrer Verurteilung vor allem im Deutschen Idealismus hatte die Popularphilosophie, in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine der einflussreichsten Strömungen, einen faden Beigeschmack. Dabei verstand sich die Diskussion über eine Philosophie, die mehr Nähe zum Leben der Menschen suchte, als Teil der umfassenden Selbstverständnisdebatte von Aufklärung insgesamt. Vor allem die Auseinandersetzung mit der kritischen Philosophie Kants zwang dazu, Anspruch, Grenzen und Möglichkeiten popularer Philosophie zu überdenken. So wurde Popularität gleichermaßen zu Programm und Problem von Philosophie, damals wie heute. Der vorliegende Band zeichnet die Geschichte der Popularphilosophie nach: ihre Vorgeschichte, die Diskussion im 18. Jahrhundert und ihre Nachklänge im 19. und frühen 20. Jahrhundert bis hin zur gegenwärtigen Auseinandersetzung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2004
Von der Idee her gut, in der Ausführung leider völlig verfehlt: So lässt sich das Urteil von Rezensent Gustav Falke zu diesem Buch von Christoph Böhr zusammenfassen, das sich eine Rehabilitierung der deutschen Popularphilosophie vorgenommen hat - von Autoren wie, so zählt der Rezensent auf, "Meier, Garve, Pölitz, Greiling" also. Das größte Problem dieses Buches besteht für den Rezensenten jedenfalls darin, dass Böhr "eine apokryphe Tradition mit Verfahren behandelt, die für die Interpretation systematisch argumentierender Schlüsselwerke entwickelt wurden". So zeigt das Buch für den Rezensenten dann vor allem, dass es "weniger auf sachliche als auf institutionelle Gründe zurückzuführen sein" dürfte, wenn die im englischsprachigen Raum so wirkungsreiche Tradition der politischen Ethik und der Frage nach dem guten Leben in Deutschland so einen schweren Stand hätten: "Kants Moralphilosophie und Hegels Rechtsphilosophie geben die übermächtigen Vorbilder eines systematisch entwickelnden Philosophierens. Die Schulphilosophie hat gesiegt. Wer die humanistische Tradition, in die die Popularphilosophie gehört, von ihr aus betrachtet, muss überall schlecht begründete dogmatische Behauptungen erkennen."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.08.2003
Einen guten Ruf hatte die gegen schulphilosophische Verkrustungen, aber auch allzu dunkles Denken sich wendende deutsche Popularphilosophie des späteren 18. Jahrhunderts noch nie. Ihre ein breiteres aufgeklärtes Publikums suchenden Darstellungen sind heute bestenfalls noch von historischem Interesse, die meisten Autoren - so etwa Christian Cay Hirschfeld und Justus Hennigs - sind vergessen. Christoph Böhr aber möchte ihnen in seiner Untersuchung mehr Gerechtigkeit widerfahren lassen und bemüht sich um die "Rehabilitation" der Popularisierer. Der Rezensent (Kürzel lx.) bietet über die referierende Darstellung hinaus keine Einschätzung dieses Bemühens.
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