Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.08.2003
Insgesamt 154 Sonette schreibt man Shakespeare zu, die hierzulande weniger bekannt sein dürften als seine Dramen, vermutet Stefana Sabin, obwohl sie deswegen nicht weniger häufig übersetzt seien. Eine Auswahl von 56 Sonetten hat sich der 1924 geborene Ludwig Bernays vorgenommen. Seine Übersetzung sei größtenteils gelungen, lobt Sabin, Bernays pflege einen "unbefangenen Umgang" mit dem Original und bemühe sich gleichermaßen um Duktus wie Aussage. Dennoch bleibt Bernays Bemühen um eine sinngemäße Wiedergabe in Sabins Augen nicht ohne Einbuße an metaphorischer Suggestivkraft; die Liebeslyrik verliere leider etwas an jener "Spannung des Herzens", bedauert Sabin, obwohl die "poetische Eigenwirklichkeit" der Sonette immer noch durchscheine.
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