Bücherschau der Woche
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Claudia Rusch
Meine freie deutsche Jugend
Klappentext
Was passiert, wenn man in dem festen Glauben aufwächst, Kakerlaken seien Stasi-Spitzel? Und wie fühlt man sich, wenn man als Kind mit einem "Schwerter-zu-Pflugscharen"-Aufnäher in die Schule gehen muss? Claudia Rusch, die im Umfeld der DDR-Bürgerrechtsbewegung aufwuchs, erzählt in ihren Erinnerungsgeschichten pointiert und mit Herz und Humor, wie sie unter kaum glücklich zu nennenden Umständen eine glückliche Kindheit verlebte, auch wenn die bitteren Erfahrungen nicht ausblieben: Der Großvater starb in Stasi-Untersuchungshaft, die Familie lebte unter andauernder Beschattung, eine enge Freundin der Mutter entpuppte sich als IM "Buche". Doch was übrigbleibt, sind überwiegend schöne Erinnerungen an eine fast normale Kindheit.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 31.07.2003
Claudia Rusch kennt die gängigen Unterdrückungs- und Bespitzelungsmaßnahmen in der DDR aus eigener Anschauung, denn ihre Familie war dem Regime durch die Freundschaft zu Robert Havemann suspekt geworden, informiert Rezensentin Susanne Ostwald. Erstaunlich vielleicht, dass die Autorin dadurch weder ihren Humor noch ihre Leichtigkeit verloren hat, mit der sie in "entwaffnender Offenheit", Anekdoten aus ihrer Kindheit erzählt, die eigentlich nur "en passant einen Einblick in das Privatleben im Unrechtsstaat bieten". Ruschs Buch gefällt der Rezensentin weitaus besser als Jana Hensels im vergangenen Jahr erschienener Band mit dem Titel "Zonenkinder", dessen larmoyanter Ton Ostwald ebenso wenig behagt wie die Tendenz, banale Kindheitserfahrungen in der DDR zu einer Generationsfrage zu pauschalisieren. An Ruschs Buch wäre vielleicht der fehlende rote Faden und der flapsige Ton zu bemängeln, überlegt Ostwald, kommt jedoch zu dem Schluss, dass gerade dadurch "potentielle Peinlichkeiten der Psychologisierung und Vergangenheitsbewältigung" vermieden werden. So bleibt für sie als einziges Manko des Buches, dass es zu kurz ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 30.07.2003
"Ungemein wahrhaftig", "anrührend" und "mit viel Witz erzählt" findet die Rezensentin Erika Deiss diese fünfundzwanzig Kurzgeschichten von Claudia Rusch über deren DDR-Vergangenheit. Die Autorin "schildere mit großer Liebe zu den Menschen das normale Leben ganz normaler Leute" in der damaligen DDR. Sehr "authentisch" erscheinen der Rezensentin diese "exemplarischen Geschichten", die sie "in bester deutscher Journalistentradition" aufgeschrieben sieht. So bezeichnet sie dieses Buch denn auch als "Quelle ersten Ranges", wenn man sich über das Alltagsleben während des DDR-Regimes informieren will.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 29.07.2003
In Claudia Ruschs "Meine freie deutsche Jugend" sieht Rezensent Gerrit Bartels ein DDR-Erinnerungsbuch, das ohne die Sentimentalitäten und Verklärungen der derzeit populären Zonenkindererinnerungsbücher auskommt. Rusch, aufgewachsen im Umfeld der DDR-Bürgerrechtsbewegung und stets von der Stasi bespitzelt, beschreibt die DDR nicht als einen romantischen Kindheitsort, sondern als "strenge Lebensschule", berichtet Bartels. Sie sei kein Zonenkind gewesen, sondern eine Außenseiterin von früh an, die in ihren Erinnerungen nicht "ich" und "wir" verwechsele und ihr Anderssein im Vergleich zur Generation Golf betone. Auf Bartels wirken Ruschs Erinnerungen "privat und offenherzig", aber oft auch "undurchschaubar und lose". Ernste Anekdoten und mitunter kitschige Pointen wechselten sich ab. Über manche der Personen, die Mutter etwa, die eng befreundet mit Katja und Robert Havemann war, hätte er gerne etwas mehr erfahren. Generell moniert er, dass sich die DDR-spezifischen Schwierigkeiten und Zumutungen bei Rusch oft eher nur erahnen als mitfühlen lassen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.07.2003
Jens Bisky lobt dieses Buch, in dem sich die Autorin in fünfundzwanzig Texten an ihre Kindheit und Jugend in der DDR, aber auch an Begebenheiten in der Nachwendezeit erinnert, als besonders treffende Beschreibung der "tickigen, halb bedrohlichen Atmosphäre der späten DDR". Im Gegensatz zu "Kuschelangeboten", die in anderen Erinnerungsbüchern an die DDR gemacht würden, versuche Rusch nicht, das Schmerzhafte ihrer spezifischen Erfahrungen in der DDR zu vergessen, so der Rezensent zustimmend. Und auch, wenn die Autorin hauptsächlich "absurde, komische Szenen" schildere, erzähle sie auch einiges, was sie bis heute nicht verzeihen kann, betont Bisky. Insbesondere, dass sich oppositionelle Eltern in der DDR gezwungen sahen, ihre Kinder in den Westen "wegzugeben", erzürnt Rusch immer noch, so Bisky. Während er die Begebenheiten bis zur Wende als sehr "flott" geschrieben lobt, findet er die Erzählungen aus der Nachwendezeit eher "blass". Als richtig "peinlich" aber moniert er das Nachwort von Wolfgang Hilbig, an dem ihn das "Pathos" sehr stört. Dennoch schwärmt er am Ende seiner Kritik, "mehr" als in diesem Buch "könne das Genre der Kindheitserinnerungen" kaum leisten.
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