Bücherschau der Woche
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Richard J. Bernstein
Freud und das Vermächtnis des Moses
Klappentext
Freuds letztes großes Werk "Der Mann Moses und die monotheistische Religion" gehört zu seinen umstrittensten und problematischsten, aber auch anziehendsten Arbeiten und ist immer wieder zum Gegenstand von Mißverständnissen und Fehlinterpretationen geworden. Freuds darin aufgestellte Behauptung, Moses sei Ägypter gewesen, der von den Juden während des Auszugs aus Ägypten ermordet wurde, löste selbst bei seinen treuesten Anhängern, wo nicht direkten Widerspruch, so doch zumindest Verwirrung und Unverständnis aus. Dagegen erfuhr "Mann Moses" in den neunziger Jahren mit den Arbeiten von Yosif Hayim Yerushalmi, Jacques Derrida und Jan Assmann eine geradezu explosionsartige Anerkennung aud Aufmerksamkeit. Richard Bernsteins "Freud und das Vermächtnis des Moses" stellt nicht nur den vorläufig letzten Höhepunkt im Rahmen der (post-)modernen Neubewertung des Freudschen Oeuvres dar, sondern zeigt auch, weshalb und auf welche Weise der "Mann Moses" Freuds eigentliches Vermächtnis ist.
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2003
Richard Bernstein übernimmt in diesem Buch Freuds Deutung des Judentums als Religion der Geistigkeit, berichtet Friedrich Niewöhner, und verteidigt sie begeistert gegen ihre Kritiker. Berstein geht sogar noch weiter als Freud, erfahren wir, und schreibt, "der Fortschritt in der Geistigkeit" sei "das bleibende Vermächtnis des mosaischen Monotheismus". Einwänden gegen Freuds Deutung, die etwa auf ihre historische Unhaltbarkeit verweisen, hält Berstein entgegen, dass Freuds Darstellung dennoch ihr Recht habe, weil sie "unserem gegenwärtigen psychoanalytischen Verständnis der Dynamik der menschlichen Seele entspricht".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.07.2003
Richard J. Bernsteins Neuinterpretation von Freuds Analyse des jüdischen Monotheismus hat Rezensent Jan Assmann - selbst nicht ganz unbeschlagen auf diesem Gebiet - recht beeindruckt. Wie Assmann berichtet, sucht Bernstein gegen den Historiker Yosef H. Yerushalmi zu zeigen, dass Freud die Überlieferung nicht auf die Zwangsalternative "bewusste Tradition" versus "biologische Vererbung" reduziert hat, sondern ein Drittes im Sinn hatte: unbewusste Erinnerungsspuren, die kulturell übertragen werden. Dieser Traditionsbegriff geht nach Darstellung Assmanns über Gadamers Traditionsbegriff eines zur Selbstverständlichkeit abgesunkenen Horizonts des Vorwissens, der unser bewusstes geistiges Leben "immer schon" bestimme, hinaus. Tradition umfasse in Bernsteins Freud-Deutung darüber hinaus den Horizont des im psychoanalytischen Sinne Unbewussten, also der verdrängten psychischen Konflikte. Diese spiegelten sich in der Religionsgeschichte wider: "Religion ist Schuldgefühl, das ist Freuds Analyse." Bernstein zeige, so Assmann "wie man Freuds bahnbrechende Einsichten retten kann, ohne seine 'historischen' Konstruktionen und seinen Psycholamarckismus übernehmen zu müssen."
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