Als der "Lotse von Bord" ging, zerfiel auch das sorgfältig geknüpfte außenpolitische Bündnis- und Vertragsgeflecht Bismarcks. Wirklicher Ersatz wurde nicht gefunden. Die deutsche Russlandpolitik im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts stand im Zeichen des Niedergangs und der vertanen Chancen. Polenproblematik, Abrüstung, Zollpolitik, Orient- und Fernostfragen - trotz Bemühungen vermochten weder die Reichskanzler noch ihre Staatssekretäre die Beziehungen zu Russland auf eine langfristig tragfähige Basis zu stellen und die russische Annäherung an Frankreich aufzuhalten. Das Ergebnis dieser misslungenen Politik: die außenpolitische Situation des Reiches um 1900 hatte sich gegenüber 1890 deutlich verschlechtert. Das Thema wird auf breiter Quellen- und Literaturgrundlage dargestellt und in seiner Verknüpfung mit dem gesamteuropäischen Entwicklungsprozess betrachtet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.07.2003
Irmin Schneiders "Die deutsche Russlandpolitik 1890-1900" widmet sich den deutsch-russischen Beziehungen nach der Entlassung von Otto von Bismarck 1890. Während Bismarck sich mit allen Mitteln für eine Verständigung mit Russland eingesetzt hatte, so Rezensent Michael Epkenhans, verfolgten der neue Kanzler und der junge Kaiser eine neue Linie in der Außenpolitik, da ihnen Bismarcks Politik zu kompliziert und zu widersprüchlich erschienen war. Die neue Politik war indes von antirussischen Ressentiments und Großmachtambitionen geprägt, was langfristig fatale Folgen hatte. Epkenhans erzählt zwar ausführlich vom Verfall der deutsch-russischen Beziehungen zwischen 1890 und 1900. Auf Schneiders Buch geht er aber nicht weiter ein. Man erfährt lediglich, dass es sich um eine "gut lesbare Studie" handeln soll.
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