Bücher der Saison
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Moshe Zuckermann
Zweierlei Israel
Auskünfte eines marxistischen Juden an Thomas Ebermann, Hermann L. Gremliza und Volker Weiß
Klappentext
Verwirrender war die Lage nie: Deutsche Kommunisten ergreifen wie die deutsche Rechte im Kampf gegen Israel die Partei der Palästinenser. Antideutsche Linke verteidigen Israels regierende Rechte, israelische Kommunisten gelten ihr als Handlanger islamistischen Terrors. Man hört Rufe: "Antisemiten", "Zionisten", "Philosemiten", "Rassisten", "Imperialisten". Der in Israel geborene Moshe Zuckermann, Direktor des Instituts für Deutsche Geschichte der Universität Tel Aviv, ist mit 21 Jahren von Frankfurt nach Israel emigriert. "Es war", sagt er, "die erwachsene Entscheidung eines jungen linken Zionisten". Inzwischen hat er sich vom Zionismus verabschiedet. Heute wird Zuckermann von Gegnern Israels als Antizionist in Anspruch genommen. Im Gespräch mit den Konkret-Autoren Thomas Ebermann, Hermann L. Gremliza und Volker Weiss räumt er mit Missverständnissen dieser Art auf.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 31.07.2003
Gespalten reagiert Rezensentin Alexandra Senfft auf diesen Interviewband. Für diesen haben die Autoren Hermann L. Gremliza, Thomas Ebermann und Volker Weiß vom "Blatt für die Antideutsche Linke", von der Zeitschrift "Konkret" mit dem "Ex-Zionisten" und heutigem Direktor des Institus für Deutsche Geschichte der Universität Tel Aviv Moshe Zuckermann über Israel gesprochen. Die Antworten des Moshe Zuckermann findet die Rezensentin sehr "differenziert" und "voller Informationen", die Fragestellungen der Autoren hingegen "teilweise plump". Offen bleibt nach Senffts Meinung, ob Zuckermann seine Interviewer, denen Israel und der Nahe Osten nur als "politisches Abstraktum" bekannt zu sein scheint, überzeugt hat, oder ob diese ihn nicht eher für ihre eigenen Betrachtungsweisen instrumentalisierten.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2003
Wenn sich die "Konkret"-Autoren Herman L. Gremliza, Thomas Ebermann und Volker Weiß mit dem israelischen Historiker Moshe Zuckermann unterhalten, führt das zu kontroversen Debatten, stellt Dirk Eckert fest. Mit seiner These, der jüdische Staat sei mit 1,2 Millionen Arabern in Israel nicht mehr praktikabel, stößt Zuckermann beispielsweise bei dem Fragerkollektiv auf Unverständnis, erzählt Eckert. Allerdings zeige das Buch, dass dem Historiker der Ruf als Antizionist zu Unrecht anhafte, findet Eckert. Vielmehr glänze er mit scharfsinnigen Analysen zur israelischen Politik. Weiteres Streitpotential liefert die Position der drei Fragenden, es habe in den von Israel besetzten Gebieten eine "relativ milde Phase der Okkupation" gegeben. Dies wird von Zuckermann zurückgewiesen, erzählt Eckert. Und der Rezensent hat auch den Grund für diese Uneinigkeit ausgemacht: das unterschiedliche Israelbild. Während Zuckermann, der übrigens gerne in Israel lebe, über die israelische Gesellschaft und die Notwendigkeit, die Besatzung zu beenden, spricht, denken die drei Interviewer bei Israel an "Antisemitismus, völkisches Denken und - letztendlich - Deutschland", vermutet Eckert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 27.06.2003
Es verspricht interessant zu werden, wenn ein linker Israeli mit linken Deutschen über ihr Verhältnis zum jeweils eigenen Staat und über die gegenseitigen Wahrnehmung diskutiert, wie es im September 2002 geschehen ist, als Moshe Zuckermann mit den "Konkret" Autoren Herman L. Gremliza, Thomas Ebermann und Volker Weiß zusammentraf. Die Ergebnisse dieser Veranstaltung liegen nun in Buchform vor. Rezensentin Elke Schubert ist gespalten. Einerseits "nerven" sie die Positionen der Konkret-Autoren (wenn sie etwas vom Deutschland nach der Wiedervereinigung als "Viertes Reich" sprechen) manchmal, andererseits, so Schubert, bieten sie Zuckermann eine ideale Plattform, "im Widerspruch scharfen Verstand und unorthodoxe Überzeugungen vorzuführen". Mit Sympathie schildert Schubert Zuckermanns Positionen als ein Kritiker Israels, der sich aber zugleich als ein Teil dieses Landes versteht. Auch seine Unterscheidung zwischen Antizionismus und "Nicht-Zionismus", zu dem sich Zuckermann bekennt, referiert sie. In den Gesprächen mit den deutschen Linken muss Zuckermann aber wohl eine Menge Klischees abwehren. Warum die Antiimperialisten immer auch auf der Seite der Palästinenser stehen, fragt Schubert, und warum sie ein so unrettbar neurotisches Verhältnis zu Deutschland haben, das sie nach der Wende gern als "Viertes Reich" titulierten. Zuckermann scheint sich in der Diskussion wacker gegen sie geschlagen zuhaben.
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