Was ist ein "guter Europäer" im Zeichen der Globalisierung? Manche beschwören Europa als Mutterland, andere das Europa der Vaterländer. Die einen träumen von der "Festung Europa", die anderen von der Kraft der Multikulturalität. Kaum jemand sehnt sich zurück nach dem "Nationalitätswahnsinn" von einst, nach Erbfeindschaft und Zivilisationsdünkel. Die alten Feindbilder haben sich aufgelöst. Neue Grenzen werden gezogen, innere und äußere, und es bilden sich europäische Gemeinsamkeiten und Identifikationen heraus - damals wie heute.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 28.06.2003
Schwer sei es, einen "guten Europäer" im Zeitalter der Globalisierung zu definieren, so der mit "rox" zeichnende Rezensent, und so erspare sich die Professorin für Allgemeine Geschichte Frevert auch den Versuch, dies zu tun. Stattdessen gehe sie weiter zurück, ins 19. und 20. Jahrhundert, und stelle fest, dass sich der "gute Europäer" vor allem durch fehlenden Nationalismus auszeichne. Die Ideen, die Europa von sich und seiner Vergangenheit entworfen habe, wolle die Autorin dabei "als Diskussionsgrundlage für die Konturen eines neuen Europa" verstanden wissen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.06.2003
Die Frage, was Europas Identität ausmache, ist für den Rezensenten Christian Geyer aktueller als je zuvor. Das Buch der Bielefelder Geschichtsprofessorin Ute Frevert greift dieses Problem aus historischer Sicht auf. Es zeigt, erklärt Geyer, dass die Identitätsfrage "im Grunde so alt ist wie die europäische Geschichte selbst". Schon Diderot, Edmund Husserl oder Simone de Beauvoir hätten sich mit ihr befasst. Geyer stimmt mit der Autorin darin überein, das es in Europa nie ein "homogenes Milieu", sondern immer eine "Vielfalt von Sprachen, Baustilen, Ess- und Trinkgewohnheiten, Umgangs- und Lebensweisen" gegeben hat. Es ist "ein Buch zur rechten Zeit", wie er meint. Denn die Autorin plädiere für eine politische Kultur, die das "Gegenteil einer auf Ausgrenzung bedachten 'Leitkultur'" sei. So könnten zum Beispiel in Europa Maßstäbe für "multilateral gedeckte Rechtsauffassungen" und "gerechte ökonomische Bedingungen" entstehen, wie Geyer meint.
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