Bücherschau der Woche
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Aus dem Archiv
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Klappentext
Aus dem Englischen Matthias Wolff. In diesem Buch führt Peter Burke als Cicerone durch den Bildersaal der Geschichte und erweitert so den Fundus historischer Quellen. Bilder sind, fern aller Kunstbetrachtung, auch als Materialien zur historischen Erkenntnis zu lesen und bieten dem Historiker eine bisher ungenutzte Chance, Geschichte zu schreiben. Anhand vieler Beispiele von der Antike bis heute, vom römischen Reiterstandbild bis zum modernen Werbephoto, erprobt Peter Burke seine Theorie des historischen, kritisch interpretierenden Sehens, dem ein Pluralismus von Forschungsansätzen zugrunde liegt. Und er vermittelt das besondere Werkzeug einer visuellen Quellenkritik, zeigt, was "zwischen den Zeilen" eines Bildes steht, und fragt nach dem Kontext: Für wen, unter welchen Umständen und zu welchem Zweck ist ein Bild entstanden?
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.07.2003
Peter Burkes "Augenzeugenschaft" widmet sich nach Ansicht von Rezensenten Martin Meyer dem Thema "Bilder als historische Quellen" mit "erfrischender Prägnanz" und "überraschenden Pointen". Dass Bilder und ästhetische Zeugnisse überhaupt ihre Zeit dokumentieren, gilt in den Geschichtswissenschaften als "Gemeinplatz", berichtet Meyer. Dennoch stützen sich Historiker vornehmlich auf Texte als ihre Quellen. Dabei böten Bilder einen Reichtum von Hinweisen und Informationen auf vergangene Ereignisse, über ländlichen und städtischen Alltag, über politisches und kriegerischen Geschehens, über die soziale Realität und die intellektuellen Kultur. Wie Meyer berichtet, legt Burke nun dar, wie und nach welchen Kriterien Bilder als historische Quellen aufzufassen sind. Überraschend findet Meyer dabei die Fülle der Kategorien einerseits, und der Beispiele anderseits. Burke verdeutliche, dass der Maler, der Bildhauer, der Fotograf ähnlich dem Historiker, der mit bestimmten Optionen, Ideen und "Einstellungen" arbeite, eine je eigene Perspektive auf Raum und Zeit eröffnet. Meyer hebt hervor, dass Burke dabei nicht der Auffassung, ein behutsam "objektives" Urteils sei unmöglich, das Wort redet. Als zentral für das Verstehen der Bilder erachtet Meyer die Frage nach der Repräsentation - was Burke an vielen Beispielen aufzeigt. Wichtig sei dabei nicht nur, was sich im Bilde offenbare, "sondern auch das, was gewissermaßen als Subtext dahinter mitläuft".
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.06.2003
In seinem Buch "Augenzeugenschaft" führt der in Cambridge lehrende Historiker Peter Burke die Bedeutung von Bildern für die traditionell eher auf Texte konzentrierten Geschichtswissenschaften vor Augen, berichtet Rezensent Valentin Groebner. Nach Burke kann die spezifische Art, mit der in Bildern Wirklichkeit inszeniert wird, wertvolle Informationen über die Vergangenheit liefern, eine These, die Groebner recht plausibel findet. Burke belege sie mit einer Reihe von historischen Beispielen für die diversen Funktionen, die Bilder vom späten Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert hinein hatten. Das ist zur Freude Groebners "flott und vergnüglich" geschrieben, von gelegentlichen merkwürdigen Übersetzungen abgesehen. Die abschließenden Kapitel über die Darstellung von Geschichte in Filmen sowie Theorien von Wahrnehmung und visueller Repräsentation im 20. Jahrhundert haben Groebner dann allerdings nicht mehr ganz überzeugt. Er findet sie ein wenig "zusammengestoppelt und lückenhaft". Hier, tadelt Groebner, überdehne Burke das Konzept des Buches.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 14.06.2003
Ein "ungemein gut lesbares Buch" erblickt Rezensent Martin Hartmann in Peter Burkes "Augenzeugenschaft". Dennoch zeigt sich Hartmann nicht immer Hundertprozent davon überzeugt. Burke wolle die Textfixiertheit der Geschichtswissenschaft aufbrechen, die Annahme, dass Texte näher an die Wahrheit heranführen als Bilder, das "visuelle Analphabetentum" der Historiker, berichtet Hartmann. Dabei können nach Burkes Überzeugung nicht nur Fotografien, sondern auch Gemälde, Zeichnungen oder Holzschnitte helfen, Erkenntnisse über die Vergangenheit zu sammeln, gibt Hartmann eine zentralen Punkt von "Augenzeugenschaft" wieder, eine These, die er "provokant" nennt. Bilder - ob als Fotografie oder als Gemälde - bilden die Wirklichkeit nie eins zu eins ab. Dessen ist sich Burke bewusst, hält Hartmann fest, aber gerade in dem, was sie auslassen, in den Idealisierungen oder Verzerrungen geben die Bilder nach Aufschluss über vergangene Mentalitäten. Für Hartmann beißt sich hier die Katze in den Schwanz. Denn die Bilder gut zu lesen, setzt für ihn voraus, dass man selbst schon viel weiß, um etwa die in Bildern enthaltenen Vorurteile oder Idealisierungen als solche zu erkennen. Burkes Antwort auf diese Problem, Bilder könnten die "Beweiskraft schriftlicher Dokumente sowohl ergänzen als auch bestätigen", erscheint Hartmann unbefriedigend. Denn: "Warum sollten Texte weniger verzerrt oder idealisierend sein als Bilder?"
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