Aus dem Niederländischen von Barbara Heller. Eine Familiensaga aus dem Uganda der Siebzigerjahre und die Lebensgeschichte des jungen Mugezi, die in einem kleinen Dorf bei Kampala beginnt und in Amsterdam endet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.01.2001
Lorenzo Ravagli spendet dem 1963 geborenen ugandischen Schriftsteller Moses Isegawa für sein Romandebüt ein großes Lob. Mit überaus feiner Ironie schildere der Autor die Geschichte eines jungen Mannes ab der frühen Kindheit in seinem Heimatdorf bis zur Auswanderung nach Amsterdam. Eine abessinische Chronik, die eher einer abyssinischen - einer abgrundgleichen - entspreche. "Äußerst unterhaltsam", anekdotenreich und talentiert fördere Isegawa eine Episode nach der anderen zutage, wobei auch der Ernst ugandischer Lebensverhältnisse - Korruption, Negotismus, innerafrikanische ethnische Vorurteile, Aids-Epidemie und Armut - durchaus thematisiert würden. Die "Abessinische Chronik" hat dem Rezensenten so gut gefallen, dass er deutlich sein Bedauern darüber äußert, nach mehr als 600 Seiten am Ende der Lektüre angelangt zu sein.
Was García Marquez für Lateinamerika und Salman Rushdie für Indien geschafft hat, zitiert Günter Péus den Autor, das wollte Moses Isegawa für den afrikanischen Kontinent bewerkstelligen: ein epochenübergreifendes Buch schreiben, in dem die Kolonialgeschichte ebenso ihren Platz hat wie die Gegenwart. Ein gelungenes Unterfangen, "ein Glücksfall" für die Weltliteratur, schwärmt der Rezensent und lässt uns wissen, dass der 37jährige Isegawa aus Uganda stammt und mittlerweile in Amsterdam lebt. Der Erstlingsroman des 37jährigen sei eine echte Familiensaga, über drei Generationen hinweg, in der die Bräuche einer afrikanischen Großfamilie ebenso präzise und eindringlich geschildert werden wie die Übergriffe von Idi Amins Soldaten. Vom Titel, meint Péus, solle sich der Leser nicht irritieren lassen, der Roman habe mit Äthiopien nichts zu tun.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.04.2000
Irene Binal ist der Ansicht, dass es dem Autor sehr gut gelungen sei, eine Brücke zwischen Europa und Afrika zu schlagen. Denn obwohl der soziale und kulturelle Rahmen dieses Romans - eine Mischung aus Autobiografie und Erfindung - ein afrikanischer sei, so mache doch der Autor deutlich, dass Gefühle und Reaktionen sich von europäischen bisweilen nur recht wenig unterscheiden. Die Stärke dieses Buches sieht die Rezensentin denn auch vor allem darin, dass Isegawa auch stets großen Wert darauf legt, die Ursachen für bestimmte Verhaltensweisen genau aufzuzeigen. Sie bedauert lediglich, dass der Autor die politische Situation in Uganda nicht kritisch hinterfragen mag. Dies ist dezidiert nicht sein Anspruch. Allerdings weist sie darauf hin, dass Isegawa beispielsweise durch die Beschreibung einer Frau, die der Guerilla nahe steht, denn doch - wenn auch indirekt - eine politische Verantwortung andeutet.
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