Bücherschau der Woche
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Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Klappentext
Herausgegeben und kommentiert von Barbara Wiedemann. Zum Lesen aller seiner Gedichte - der zu Lebzeiten gedruckten wie der nachgelassenen - in kritisch überprüften Fassungen laden "Die Gedichte" in einem Band ein. Aber Celan war selbst ein leidenschaftlicher und genauer Leser; seine Marginalien, Notate und Exzerpte markieren Ausgangspunkte für viele seiner Gedichte. Lektüre-Erfahrungen von Achim von Arnim bis Stefan Zweig, von Benjamin bis Xenophon, aus Biologie, Geologie oder Medizin, aber auch aus der deutschen Tagespresse verbanden sich für ihn mit seiner persönlichen Geschichte als Überlebender der Judenvernichtung. Sie bestimmen seine Liebesgedichte und geben seinen Zeitgedichten ihren besonderen Charakter. Erstmals bietet nun ein Kommentar die Möglichkeit, diesen Leser Celan in seinen Gedichten zu entdecken und ihm lesend zu folgen. Teilweise bekannt waren bisher zwar Celans Lesespuren in seiner nachgelassenen Bibliothek (Deutsches Literaturarchiv Marbach); mit Celans intensiver und produktiver Zeitungslektüre dagegen eröffnet sich weitgehend Neuland. Die jedes einzelne Gedicht erschließenden Kommentare nehmen die Interpretation nicht vorweg; sie konzentrieren sich auf Erläuterungen, die durch den Nachlaß belegbar sind; sie zeigen die Binnenbezüge des Werks, geben Sacherklärungen zu Zitaten, Namen und Widmungen. Darüber hinaus bieten sie alle erreichbaren Informationen zur Entstehung der Gedichte und zu biografischen Anspielungen; sie dokumentieren die Varianten der Drucke zu Celans Lebzeiten und ergänzen einzelne, bisher nicht bekannte Entwürfe.
Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.06.2003
Die Frage, warum, noch einmal - nach all den Gesamt- und Sonderausgaben - Celan in einem Band, stellt sich zu Recht, schreibt der Rezensent Leopold Federmair. Umso schöner aber, dass die vorliegende Ausgabe eine überzeugende Antwort zu geben vermag - und zwar mit ihrem "systematischen, umsichtigen und dabei auch konzentrierten Kommentar", den Barbara Wiedemann verfasst hat. Er enthält bisher, jedenfalls in ihrer Genauigkeit, unbekannte biografische Informationen, vor allem biblio-biografische, nämlich solche, die sich der Auswertung von Celans Bibliothek verdanken. Über Anstreichungen in Werken anderer, ja, an die Ränder anderer Werke geschriebene eigene Gedichte gelingt es, staunt Federmair, die dichten intertextuellen Beziehungsnetze vielfach überzeugend aufzuknüpfen. Was sich, als Ursprung und Bezug, ergibt, ist oftmals eher trivial, ja, kündet von einem geradezu paranoiden Weltbild, wenn Celan etwa - so jedenfalls Wiedemanns Hypothese - mit dem "Unnamen" seines Gedichts "Hafen" die von ihm in den Großkränen "erkannten" Buchstaben A.H. (für Adolf Hitler) gemeint hat (oder haben könnte). Zum Verständnis des Werks, meint Federmair, tragen solche Einsichten nur indirekt bei, indem sie nämlich das Verbergen, ja, die "Scham" vor der Direktheit als Grundmotiv deutlich machen.
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