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Klappentext
Wolfgang Schlüter hat 250 Gedichte vom 13. bis ins beginnende 20. Jahrhundert übersetzt, fast alles Kleinodien der englischen Literatur.
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.10.2003
Es handelt sich um die wohl umfangreichste Sammlung englischer Gedichte, die ein einzelner Übersetzer je vorgelegt hat, vermutet Dieter M. Gräf. Was mag einen Mann wie Wolfgang Schlüter, der eigentlich Schriftsteller ist, dazu bewogen haben, mehr als ein Jahrzehnt mit englischen Gedichten zuzubringen, fragt er. Seiner Meinung nach muss Schlüter die pure Lust am Übersetzen getrieben haben. Denn "gut ist, was gefällt", kalauert Gräf, gut ist, "was man so noch nie zu Ohren bekommen hat". Er konstatiert bei Schlüter einen Hang zur Extravaganz: nicht "Alraune" darf es heißen, sondern "Mandragora", zitiert er, "curious frame" wurde zur "curieusen Wandung" usw. Da kann das (ebenfalls abgedruckte) Original schon mal Erleichterung bedeuten, setzt Gräf trocken hinzu. Fünf Jahrhunderte deckt Schlüters Gedichtauswahl ab, informiert er und rät zum Kauf dieser bibliophilen Ausgabe in der Urs Engeler Edition, die sich aufs Beste ergänzen würde mit einem anderen Standardwerk, der vierbändigen "Englische und Amerikanische Dichtung" im Beck Verlag, einer verlegerischen Großtat, mit der Schlüter (der eigentlich früher dran war) so nicht mithalten könne. Aber seine "voll heikler Qualitäten" steckenden Übertragungen tragen zum Reichtum der Übersetzungen bei, meint Gräf, sie fordern ihre Leser zum Widerspruch heraus und machen ihn so autark.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.09.2003
Ein großes Loblied stimmt Tobias Döring auf den Übersetzer und Herausgeber dieser zweisprachigen Anthologie englischer Gedichte an. Schlüter übersetze äußerst frei und manchmal geradezu dreist, begründet Döring seine Begeisterung, doch während er manchmal noch über irgendeine Freizügigkeit den Kopf schüttele, sei er zugleich völlig hingerissen. Wer wagt, gewinnt, lautet das umjubelte Motto. Schlüter scheue sich nicht, in ein Renaissance- oder romantisches Gedicht uns vertraute Ausdrücke der Gegenwart einzubauen, die als "wohlkalkulierte Irritationen" beim Leser ein positives Echo finden, erklärt Döring. So heißt ein romantisch Reisender bei Shelley ein "Globetrotter aus antiquem Land". Den Schwerpunkt habe Schlüter bei seiner Auswahl von insgesamt 248 Texten auf das späte Mittelalter und das 17. Jahrhundert gelegt, thematisch überwögen die Todes- und Trauertexte. Um so inniger kommt Döring die Liebeslyrik vor, der Schlüter besonders zarte Verse entlockt. Die Arbeit des Übersetzens sei im übrigen "wie ein Kuss durch ein Taschentuch" trägt Döring aus dem Nachwort Schlüters nach.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2003
Für Jürgen Brocan ist die Neuedition von Wolfgang Schlüters gewichtiger Anthologie in jeder Hinsicht ein Glücksfall. Schon die Gestaltung dieses "weißen Ziegelsteins" hält Brocan für das reinste "optische und haptische" Vergnügen. Die Auswahl findet Brocan ebenfalls einfach großartig, verzichte Schlüter doch souverän auf jegliche repräsentativen Ziele und folge allein seinen Neigungen als "Schatzgräber im Abseitigen und Übersehenen". So enthalte die Sammlung ebenso Satirisch-Burleskes von Jonathan Swift und John Gay wie auch Richard Owen Cambridge, der "mit gepfeffert politischem Witz" darüber sinniere, wer auf dem von seiner Tochter gestickten Sitzpolster Platz nehmen darf. Für ein wahres Husarenstück aber hält Brocan Schlüters Übersetzung, die jede Gelegenheit ergreife, "die Fesseln einer missverstandenen Korrektheit abzustreifen". Je frecher und raffinierter Schlüter übersetzt, desto beglückter zeigt sich der Rezensent.
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