Herausgegeben von Wilhelm Heitmeyer und John Hagan. Die Forschung zur Gewalt in modernen westlichen Gesellschaften hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Erklärungen dafür sind zahlreich: tatsächlicher Anstieg bei bestimmten Gewaltvarianten, neue Sensibilitäten, Rückkehr alter Gewaltformen, Verlagerung von Gewalt in andere gesellschaftliche Bereiche etc. Bisher fehlt jedoch ein systematischer Überblick über die tatsächlichen Entwicklungen.Das vorliegende Handbuch informiert umfassend über Gewalt als soziales Phänomen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2003
Einen "Mammutband", der den Leser ob seiner Informationsfülle zu erschlagen drohe, nennt Eckhard Jesse das von Wilhelm Heitmeyer und John Hagan herausgegebene Forschungshandbuch, das auf vergleichender Basis einen systematischen Überblick zum Thema Gewalt bieten will. In 62 Beiträgen äußern sich 81 Autoren aus 10 Ländern zu Gewaltphänomen innerhalb westlicher Gesellschaften, wobei Krieg als zwischenstaatliche Gewalt ausgeklammert bleibt, berichtet Jesse. Das Themenspektrum reicht laut Jesse von der Gewalt in staatlichen Institutionen über kollektive und individuelle Gewalt bis zu Gewaltopfern, Gewaltdiskursen und Gewaltrechtfertigungen. Gewählt werde jeweils ein multiperspektivischer Ansatz, wobei die Soziologie als Leitdisziplin fungiere. Neben empirischen Befunden fänden sich fast immer theoretische Erklärungs- und Präventionsansätze, Hinweise auf Desiderata und ein ausführliches Literaturverzeichnis. Bedauerlich findet Jesse, dass ein eigener Beitrag über linksextremistische Gewalt ebenso wie ein Pendant "Archipel Gulag" zum "Holocaust" fehlt. Zudem bemängelt er, dass durch die Fixierung auf Forschungsansätze das konkrete Phänomen der Gewalt nicht immer hinreichend genug beleuchtet wird.
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