Nietzsches Botschaft vom "Tod Gottes" ist eine bleibende Herausforderung für Theologie und christlichen Glauben. Eugen Biser setzt sich mit Nietzsches Christentumskritik auseinander und kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Nietzsches Verhältnis zum Christentum ist - das wird besonders im Spätwerk deutlich - ambivalent. Ausgehend von Nietzsches Philosophie lässt sich durchaus eine Rekonstruktion des Christentums in Augenhöhe mit seinem aggressivsten Gegner denken. Biser bietet mit dieser originellen These gleichzeitig eine allgemein verständliche Einführung in Nietzsches Religionskritik.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 02.04.2003
Hatte Nietzsche tatsächlich keinen Gottesglauben, oder glaubte er nur, nicht zu glauben? Wie viel Faszination hat der "Gekreuzigte" auf den Autoren des "Antichrist" ausgeübt? Beherbergen Nietzsches rasende Polemiken gegen das Christentum eine Gottesidee, die sie zugleich verstecken und offenbaren? Ein rundum begeisterter Alois M. Haas lobt Eugen Bisers Schrift als herausragenden Beitrag zu dem "Interpretationskampf", der um diese Fragen tobt. Der "renommierte Nietzsche-Forscher" gehe, nahe an den Texten und sich leiten lassend von seiner Faszination, diesen Fragen und möglichen Antworten darauf nach, und zwar "in außerordentlich dichter und dialektisch behutsamer, keinesfalls vereinnahmender Weise". Worauf zielt Nietzsches antichristlicher Furor, frage er. Worin besteht und was bedeutet die Präsenz, die der eben getötete Gott in seinen Texten entfaltet? Hochkomplex und faszinierend sei dieses Verhältnis - und dieses Buch.
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