Bücher der Saison
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Klappentext
Im letzten Jahr ist Wolfgang Büscher zu Fuß von Berlin nach Moskau gelaufen. Allein. An die drei Monate. Im Hochsommer hat er die Oder überquert, an der russischen Grenze hat er die Herbststürme erlebt und vor Moskau dann den ersten Schnee. Büscher erkundet Menschen und Orte, erzählt von einer polnischen Gräfin, die eine der geheimnisvollsten Gestalten des Zweiten Weltkriegs war; von Schmugglerinnen, mit denen er die weißrussische Grenze überquert; von einem sibirischen Yogi, den er in Minsk kennenlernt; einem russischen Freund, mit dem er in die verbotene Zone von Tschernobyl fährt; einem Priester aus Smolensk, der ihn in einen mysteriösen Wald mit roten Zauberbäumen schickt; von seltsamen Begegnungen kurz vor Moskau sowie von einem nächtlichen Kampf. Und natürlich trifft Büscher auf die Gespenster der jüngsten Vergangenheit: Er ist teils Napoleons Weg gegangen und ziemlich exakt den der Heeresgruppe Mitte.
Rezension Perlentaucher
In Tolotschin in Belarus lernt Wolfgang Büscher zwei Frauen kennen, die hier zwar zu Hause sind, aber Jahr für Jahr sechs Monate in Beirut kellnern. Wenn ihr Visum abgelaufen sei, kämen sie zurück, machten ein halbes Jahr Urlaub, dann ging es wieder zurück zum Geld verdienen. Es sind auch solche Begegnungen, die einen sein Buch "Berlin-Moskau - Eine Reise zu Fuß" nicht aus der Hand legen lassen. Er ist ein kluger Beobachter, einer, der die Zeichen zu deuten versteht. Aber auch einer, der nie vergisst, dass es nur Zeichen sind. Büscher spricht des Lesers Intelligenz an und sein Gefühl, und er macht das gleichzeitig...
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 26.08.2003
Eigentlich hatte Ingke Bordersen überhaupt keine Lust, sich mit Moskau zu beschäftigen, gesteht sie, da sie sich gerade mit einem der düsteren Kapitel des Stalinismus auseinandersetzen musste. Um so mehr wurde der Reisebericht von Wolfgang Büscher ihr Rettungsstrohhalm, ihre Rettungsinsel. Warum sich jemand aufmacht, um zu Fuß von Berlin nach Moskau zu wandern, in die "Allee der Gehenkten, die Straße der Freundschaft und die Straße der Revolution" einschwenkt, wie Brodersen schreibt, die Seelower Höhen und Katyn aufsucht und die Straßenränder der zerfallenen Imperiums längs marschiert, lässt sich für Brodersen letztlich nicht beantworten: "Das Gehen hat seine eigenen Gesetze", stellt sie fest. Büscher hat unterwegs Geschichten aufgelesen, Geschichten von Menschen, die dem Mahlstrom der Geschichte auf ihre eigene Weise widerstanden, so Brodersen. So öffnen sich die "blinden Fenster" des Ostens, meint Brodersen und stellt mit Bedauern fest, dass je näher der Autor Moskau kommt, die Begegnungen um so banaler, fast folkloristisch ausfallen. Das muss daran liegen, sinniert Brodersen, das Moskau mit seinen Bau- und Fliesenmärkten mittlerweile zum Westen zählt. Doch zwischen Berlin und Moskau liegt der fast märchenhafte Osten.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.06.2003
Rezensent Arnulf Baring findet an diesem abenteuerlichen Buch besonders erstaunlich, "wie bunt trotz aller hintergründigen Dunkeltönung" die Eindrücke von Autor Büscher waren. "Es gibt viel Helles, Heiteres, tatsächlich einen hinreißenden Ausflug zur verbotenen Zone bei Tschernobyl". Gespräche, Porträts und Landschaftsbeschreibungen, die den Rezensenten beim Lesen glauben ließen, er habe diese Landschaften selbst durchstreift, begeistern Baring besonders. Auf Schritt und Tritt sieht Baring den "einsamen Wanderer" auf Opfer der Sowjetzeit und Spuren des Krieges treffen. Beeindruckt hat den Rezensenten auch Büschers Feststellung, dass selbst im Osten niemand Osten sein will. "Der Osten wurde weitergereicht, von Berlin bis Moskau", wird der Autor zitiert. "Bis kurz vorher, um genau zu sein, denn Moskau ... ist wieder Westen".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.06.2003
Als "Ereignis" feiert Rezensent Hannes Hintermeier dieses Buch. Nach knapp dreitausend Kilometern Fußmarsch sei aus dem Reporter (und Leiter des Ressorts "Reportage" bei der "Welt") Büscher ein Schriftsteller geworden, von dem man noch einiges erwarten dürfe. Denn "wie nur bei wirklich großen Reportagen zu beobachten" leiste Büscher Verdichtungsarbeit. Er vereine Landschaftsbilder mit Reflexionen, Porträts mit Analysen zu einer Genauigkeit, die Hintermeier zufolge "gelegentlich vor Aufladung nur so knistert". Büscher, den der Rezensent mit dem berühmten Syrakus-Wanderer Gottfried Seume vergleicht, sei "bis unters Dach voll mit historischem Wissen". Der Rezensent fand Büscher außerdem der Wahrheit verpflichtet. Und bewundernswerter Weise mache er dabei keinen Hehl daraus, dass dies stets seine ganz private Wahrheit ist: "Manchmal ist sie bitter, immer lakonisch, niemals pathetisch und ganz selten überfließend emotional".
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 03.05.2003
Drei Monate war der Reporter Wolfgang Büscher unterwegs, in Richtung Osten, zu Fuß. Der Osten freilich entzog sich ihm auf seinem Marsch wie der Horizont: Wohin er auch kam, man teilte ihm mit, der Osten, der eigentliche, liege ostwärts: "Der Osten ist etwas, das keiner haben will", so Büscher, der ihn umso entschiedener suchte und in dem, was keiner haben will, auch Gründe fand, ihn, den Osten, der nach Westen strebt, zu mögen. Denn neben allem Schrott, von dem er nicht schweigt ("Hausschrott. Staatsschrott. Essundtrinkschrott. Benimmschrott. Seelenschrott" - nur eine Auswahl), trifft er immer wieder auch auf hilfsbereiteste Menschen. Diese Begegnungen machen, so die Rezensentin Ilma Rakusa, den eigentlichen Kern des Buches und der Reise aus, sie bieten, in der Beschreibung und Erzählung Büschers, "lebendiges Geschichtsanschauungsmaterial". Und nicht die Hälfte wert wäre alles, besäße Büscher, lobt die Rezensentin, nicht eine "große Erzählkraft", die dieses Buch, von der ersten Seite bis zur letzten, zum "Glücksfall" macht.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.04.2003
Höchsten Respekt zollt Rezensent Roland Mischke dem Journalisten Wolfgang Büscher für sein Unternehmen, zu Fuß von Berlin nach Moskau zu reisen. Dieser "Bericht einer ganz persönlichen Osteroberung", befindet Mischke, hat nicht nur höchste Preise verdient, sondern gehört auch in den Deutschunterricht. Büscher durchquert - mit Zwei-Hosen-zwei-Hemden im Rucksack - zunächst Polen, das ihm noch "zu wenig Osten" ist, das "ungeheuer müde" Weißrussland mit seiner von Tschernobyl radioaktiv-verstrahlten Todeszone, er folgt den Routen der napoleonischen Heere und der Heeresgruppe Mitte und begreift, wie Mischke darstellt, dass "zwischen den Völkern nichts vorbei, nichts vergessen ist". Den Rezensenten haben schließlich nicht nur die ungeheuerlichen Erlebnisse des Autors auf seinem 2500-kilometerlangen Fußmarsch gefangengenommen, sondern auch die geschickt komponierte Dramaturgie des Buches.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.04.2003
Als "großartige Reportage" feiert Ulrich Stock Wolfgang Büschers "Berlin - Moskau" und sieht den Autor "exakt in der Mitte" stehen zwischen den beiden Klassikern der modernen deutschen Reiseliteratur: Michael Holzach herzenswarmes "Deutschland umsonst" und Werner Herzogs expressives "Vom Gehen im Eis". Büscher wahre "die feine Balance zwischen Beobachtung und Reflektion; werden die Gedanken schwer, geht er einfach weiter, durch sie hindurch", notiert Stock. Am Ende der Lektüre, die "das Erhabene [nicht] vom Banalen" trenne, sei man "beglückt von der Erzählung", frage sich aber als Leser, warum seit 1989 noch niemand diese Reise unternommen hat. Der gemeinsame gesellschaftliche Blick "geht nach Westen", philosophiert der Rezensent und Büscher offenbare sich automatisch "als Sonderling", indem er die "elektrische Welt" hinter sich lässt und zu Fuß nach Osten aufbricht. Stock ruft ein Hoch auf den "literarischen Journalismus" aus, der durchaus noch Stärken gegenüber anderen Medien besitze, denn "Berlin-Moskau" als Film scheint ihm undenkbar, weil Büscher "irgendwo auf der nichtelektrischen Seite der Welt der Strom ausgegangen wäre."
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.03.2003
Gustav Seibt ist geradezu hingerissen von diesem Buch, das eine Wanderung des Autors von Berlin nach Moskau beschreibt. Der Rezensent preist in seiner eingehenden Besprechung sowohl das "Geschichtsgefühl" als auch die "Bedeutungsfülle", mit der Büscher seine Reiseerlebnisse erzählt. Stets ist sich der Autor der Geschichte der erwanderten Orte und Gegenden bewusst, lobt Seibt, der überzeugt ist, dass dieses Werk dereinst zu den "Klassikern der Reiseliteratur" zählen wird. Büscher habe auf seiner Wanderung auch seine "literarischen Vorläufer" im Bewusstsein, vom "Blonden Eckbert" bis zu literarischen Gestalten von Dwinger, so der Rezensent angetan, der den Reisebericht als "sentimentalisch durch und durch" und mit "immenser Kenntnis bereicherte Empfindung" charakterisiert. Warum allerdings der Verlag keine Karte in dem Buch beigefügt hat, ist ihm völlig "unbegreiflich". "Hauptthema dieses Wanderbuchs sei der "Friede", betont Seibt, nicht nur weil Büscher auf seinen Wegen der historischen Schrecken gedenkt, die dort einst stattgefunden haben, sondern weil er auch demonstriert, dass mancherorts "Gras über die Stätten des Grauens" gewachsen ist.
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