Bücherschau der Woche
Hatten Sie in den letzten Tagen keine Zeit, die Zeitung zu lesen oder bei uns vorbeizuschauen ? Macht nichts, denn hier können Sie unsere Rezensionsnotizen der letzten sechs Erscheinungstage nach Zeitung oder Themen sortiert abfragen.
Literaturbeilagen
All unsere Notizen zu den Buchkritiken in den Literaturbeilagen von FAZ, FR, NZZ, SZ, taz und Zeit.
Über uns
Service für Leser
Service für Kunden
Aus dem Archiv
- Debatte "Islam in Europa": Mit Beiträgen von Pascal Bruckner, Ian Buruma, Necla Kelek, Lars Gustafsson, Adam Krzeminski, Bassam Tibi u.a.
- Der dänischer Karikaturenstreit: Eine europäische Presseschau
- Die Walser-Affäre: Der Streit um Martin Walsers Roman "Tod eines Kritikers"
- Der 11.September: Eine Presseschau
- Fallende Blätter: Zur Lage des Feuilletons heute
Links
Kommentierte Linkliste zu internationalen Zeitungen, Zeitschriften und Verlagen.
Viviane Forrester
Van Gogh oder das Begräbnis im Weizen
Klappentext
Aus dem Französischen von Gerd Stange. Viviane Forrester untersucht die psychologischen Grundlagen, die diesen großartigen Maler zu seinem tragischen Ende führten. Sie spürt dem Beziehungsgeflecht der van Goghschen Familie nach, der komplizenhaften, inzestuösen Beziehung zu Theo, dem schuldbeladenen Verhältnis zu seinen verständnislosen Eltern. Sein Leben lang wird Vincent von den Gewissensbissen heimgesucht, derjenige zu sein, der seinen ein Jahr vor ihm totgeborenen Bruder verdrängt hat. Er fühlt sich, wenn nicht als sein Mörder, so doch bestenfalls als Ersatz für seinen Vorgänger, der ebenfalls Vincent van Gogh hieß. Forrester stellt Vincent van Gogh in die Reihe der Verworfenen: neben Edgar Allen Poe, Baudelaire, Lautreamont, Artaud, Nietzsche und Hölderlin.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 29.03.2003
Anders als Stefan Koldehoff, der in seinem Buch über van Gogh "Mythos und Wirklichkeit" sorgfältig zu unterscheiden weiß, bleibt Viviane Forrester in ihrer Biografie des Künstlers zum Bedauern von Rezensentin Christiane Meixner den Klischees vom "einsamen Künstlergenie" und "irren Maler" weitgehend verhaftet. Was sich für Meixner schon daran zeigt, dass die Autorin für ihre Interpretation von van Goghs Briefwechsel vor allem die "intuitiven, emotionalen Passagen" auswählt. Das ist in den Augen Meixners zwar legitim, "neue Erkenntnisse bringt es jedoch nicht". Im Gegenteil. Wieder fallen Begriffe, die aus Vincent einen tragischen Helden machen, seufzt Meixner. Als zentrales Thema des Buches nennt sie die These, dass van Gogh ein Leben lang darunter gelitten habe, dass die Eltern exakt ein Jahr vor seiner Geburt einen Jungen namens Vincent beerdigen mussten, der tot zur Welt gekommen war. So sehr man Viviane Forresters Versuch schätzen könne, van Goghs immer wieder erwähnten Wahnsinn damit zu erklären, dass die Gesellschaft abseits der von ihr definierten Normalität keine andere Kategorie kennt, befindet Meixner, "so wenig konstruktiv sind ihre Mittel". Letztlich, urteilt die Rezensentin, fügt Forrester den Van-Gogh-Legenden ein weiteres Kapitel hinzu.
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.03.2003
Den "wirklichen Vincent van Gogh" treffe man in kaum einem neuen Buch über ihn, kritisiert Elke von Radziewsky - und in diesem am allerwenigsten. "Visionen" nennt sie, was Viviane Forrester, die mit dem Buch "Terror der Ökonomie" berühmt gewordene französische Essayistin, von Van Gogh erzähle. Der "Plot" des Ganzen, den "Kafka und Tim Staffel gemeinsam" nicht besser hätten erfinden können, tauge gar zum "Skript für einen Horrorpsycho a la Stephen King". Ein van Gogh, der, wie es etwas unklar heißt, "unter einem tot geborenen ersten Vincent leidet", wird dem Leser hier vorgeführt, erfahren wir. Forrester wolle eben bloß "eine These", kritisiert die Rezensentin - und fasst diese These dann so zusammen: Die Gesellschaft "dränge Einzelne an den Rand und zwinge sie zu künstlerischer Arbeit", denn "die Bürger" bräuchten ihre Werke "als kulturelles Antiserum für das Funktionieren".
Bestellen Sie dieses Buch bei buecher.de
Gebraucht finden bei abebooks
Mehr Bücher aus dem Themengebiet
Von Lesern empfohlene Bücher
Peter Nadas: Parallelgeschichten
Aus dem Ungarischen von Christina Viragh. 1989, im Jahr des Mauerfalls, findet der Student Döhring beim Jogging ...
Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner
Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von ...
Archiv: Bücherschauen
Uangenehm plausibel
11.02.2012: FAZ und taz sind höchst unterschiedlicher Auffassung über Christian Krachts neuen Roman "Imperium": Die eine erfreut sich an Krachts "prunkend exquisiter" Sprache, die andere meint: Pauschalreiseprosa. Die NZZ ist erschüttert von Drago Jancars Roman "Nordlicht". Der FR graust es in Benjamin Steins neuem Roman "Replay". Die SZ ist zwiespältig bei Zeruya Shalev. Die taz pisst außerdem mit Vergnügen in den Wind. Mehr lesen
Archiv: Vorgeblättert
Joan Didion: Blaue Stunden
09.02.2012: In "Blaue Stunden" erinnert sich die amerikanische Autorin Joan Didion an ihre Tochter, daran, wie es war, sie aufwachsen zu sehen und Abschied zu nehmen, als sie mit 39 Jahren starb. Es ist eine persönliche Bilanz über Erinnerung und Alter. Lesen Sie hier einen Auszug. Mehr lesen
Maria Sonia Cristoff: Unbehaust
06.02.2012: Würden sich die Tiere an das erinnern, was der Mensch ihnen zumutet, wären wir (die Menschen) vom Aussterben bedroht. Lesen Sie hier einen Auszug aus Maria Sonia Cristoffs Geschichten zur unwahrscheinlichen Beziehung von Mensch und Tier: "Unbehaust. Was Menschen mit Tieren machen". Mehr lesen
Lisa Kränzler: Export A
02.02.2012: Um Love and Tears geht es im Roman von Lisa Kränzler, in dem sie von Lisa erzählt, einer 16-jährigen Austauschschülerin in Kanada, hin- und hergerissen zwischen Gehorsam und Ausbruch. Lesen Sie hier einen Auszug aus dem Erstlingsroman "Export A". Mehr lesen








