In seiner berühmt gewordenen Denkschrift von 1807 entwickelt Hardenberg sein Konzept der Reformen. Sie betreffen die Verwaltung und bestehen aus vielen einzelnen, untereinander abgestimmten Schritten. Es sind Reformen von oben, das heißt: sie sind verordnet, und sie beugen dem Gärungsprozess einer Revolution von unten vor. Durch Hardenbergs Reformen wurde Preußen im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu einem mustergültigen Staat. Hardenbergs Karriere als Verwaltungsfachmann und Diplomat führte ihn ins höchste Staatsamt. Er war der Zeitgenosse von Goethe und Napoleon, mit der Königin, mit Preußens Luise, verband ihn eine besondere Freundschaft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2003
In Zeiten des Reformstaus, habe sich der Verfasser wohl gedacht, sollte man sich an den preußischen Staatskanzler von Hardenberg erinnern, den vielleicht prominentesten politischen Reformer, den die deutsche Geschichte zu bieten hat. Das jedenfalls der Verdacht des Rezensenten mit dem Kürzel "uha.", der dem Autor vorwirft, dass er allzu sehr auf "Aktualität schielt" und dabei seinen Gegenstand an keiner Stelle überzeugend in den Griff bekommt. In strikter Chronologie werde "abgehakt", nicht entfaltet und das Charakter-Vorbild, das Hermann dabei entwirft, bleibe zwischen "kalter Vernunft und warmem Herzen" schwammig. Ein klarer Fall: Der Rezensent rät ab.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 20.03.2003
Ingo Hermann erhellt das lange Zeit "verdunkelt" gebliebene Bild von einem der wichtigsten Staatsmänner seiner Zeit, schreibt Wilhelm von Sternburg. Eine "Lichtgestalt" sei Karl August Freiherr von Hardenberg gewesen, und seinem Biografen gebühre das Verdienst, ihn endlich seiner Bedeutung gebührend darzustellen. Mehr als ein halbes Jahrhundert vor Bismarck habe er als "Reformkanzler" die Grundlagen dafür geschaffen, dass jener Deutschland einigen konnte - ohne von der zeitgenössischen Geschichtsschreibung Anerkennung dafür zu erhalten. Hermanns Darstellung des Frauenhelden Hardenberg sei facettenreich, "plastisch" und entwerfe zugleich "das bestechende Panorama einer Zeit, in der Europa in die Moderne eintrat". "In einer immer geschichtsloser argumentierenden Zeit" ist so etwas die löbliche Ausnahme, betont Sternburg und wünscht dem Buch viele Leser.
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