Bernhard Maier lässt in seiner Darstellung der Religion der Germanen die Geisteswelt dieser frühen Kultur wieder lebendig werden. Er spannt den Bogen von der mythischen Weltentstehung, über das Pantheon der Germanen, ihre Heiligtümer, Kult- und Opferpraxis bis zur Magie. Zugleich setzt er sich kritisch mit Germanentümelei und pseudoreligiösen Strömungen auseinander.
Die Forschung über germanische Mythen, Riten und Religion gründet auf dürren und wenig gewissen Quellen, erläutert Wolfgang Müller, die teilweise zu bizarren und leider oft "gnadenlos humorfreien" Rekonstruktionen Anlass böten. Kein Wunder, dass Müller erfreut Bernhard Maiers "Die Religion der Germanen" zur Kenntnis genommen hat. Maier erläutere "klar und anschaulich" die Problematik der wenigen bekannten Quellen (darunter das Bändchen "Germania" von Tacitus, wie überhaupt die Römer das Bild der Ethnie "Germanen" geschaffen und geprägt haben sollen), lobt Müller, und könne die ideologischen Scheuklappen ihrer Benutzer enttarnen und die daraus abgeleiteten Theorien rekonstruieren. So mancher alter Gelehrtenstreit habe sich damit erledigt, jubelt Müller, der von Maier gelernt hat, dass die Unterscheidung von Schwarzelfen und Lichtelfen bei Maurer und Grimm auf die christliche Unterscheidung von Engeln und Teufeln zurückzuführen ist. Insofern, atmet Müller auf, könne er die ihm häufig gestellte Frage "Glauben Isländer wirklich an Elfen?" guten Gewissens zurückweisen, insofern der Begriff des Glaubens eine rein christliche Kategorie sei.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.03.2003
Der mit "cjos" zeichnende Rezensent scheint fast dankbar für dieses Buch von Bernard Maier, das mit falschen Vorstellungen aufräumt. Ein Bedürfnis nach der alten Welt der Helden und Mythen sei bei vielen Leuten heutzutage festzustellen, sei es durch ihr Bedürfnis nach Filmen und Büchern, die diese Zeit thematisieren, sei es, drastischer, durch den Zusammenschluss in neuheidnischen Gruppen. Dennoch säßen all diese Leute den falschen Vorstellungen auf, die durch Rückschlüsse aus Ausgrabungen, vor allem römischen Zeugnissen oder heutigem Brauchtum entstanden seien. Tatsächlich jedoch seien die Germanen und ihre Religion auch heute noch ein unbekanntes Gebiet, durch das Maier seine Leser kenntnisreich, vor allem gestützt auf linguistische Beobachtungen, führe. Dabei "rekonstruiert (er), was zu rekonstruieren ist" - aber nicht mehr, wie der Rezensent beglückt feststellt.
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